Russland: Pussy Riot-Aktivistin Rita Flores über ihre Angst als FSB-Spitzel
Sie sollte Putin-Gegner denunzieren, regimekritischen Künstlern persönliche Informationen entlocken und schließlich an der Entführung und Ermordung eines Kremlgegners mitwirken: So schilderte die russische Künstlerin Rita Flores, 29, ehemaliges Mitglied des feministischen, kremlkritischen Kollektivs Pussy Riot, Ende August in einem Videogespräch ihre Aufgaben als »Harley«. Unter diesem Pseudonym arbeitete sie demnach – ihrer Aussage nach wider Willen – rund drei Jahre als Spitzel für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB.
Wenige Tage zuvor war die 29-Jährige aus Russland geflohen. Im »Guardian« sprach Flores jetzt über weitere Details ihrer Spitzel-Tätigkeit, über ihre beiden Führungsoffiziere beim FSB – und darüber wie es ihr nach ihrer Flucht geht. »Zum ersten Mal seit Jahren fühle ich mich wohl und ruhig«, sagte die 29-Jährige der Zeitung. »Die ganze Zeit über habe ich davon geträumt, hier wegzukommen und über all das sprechen zu können.«
Flores, auch bekannt als Margarita Konovalova, steht den Angaben zufolge seit 2020 mit Pussy Riot in Verbindung. Damals wurde sie nach einem Auftritt in der Nähe des Kreml festgenommen, wie Medien berichteten. Sie verbüßte mehrere kurze Haftstrafen, wurde öfter überwacht, die Polizei durchsuchte mehrfach ihre Wohnung.
Im Februar 2023 wurde die Künstlerin dem »Guardian« zufolge nach einer Hausdurchsuchung vom russischen Geheimdienst angeworben. Zwei Männer seien zurückgeblieben und hätten sich als FSB-Beamte zu erkennen gegeben. Sie hätten Flores gedroht, wegen eines Instagram-Beitrags, in dem sie Tötungen durch russische Streitkräfte in der Ukraine kritisiert hatte, ein Strafverfahren gegen sie einzuleiten. Und angedeutet, sie könnten ihre Mutter ermorden lassen, falls sie die Unterlagen zur Zusammenarbeit mit dem FSB nicht unterzeichne.
»Ich habe ihnen geglaubt«, wird die ehemalige Pussy Riot-Aktivistin zitiert. »Ich habe ihnen geglaubt, dass sie all das tun könnten, womit sie mir gedroht haben. Meine Angst war übermächtig. Ich sorgte mich sehr um meine Familie und auch um mich selbst.« Vom »Guardian« heißt es, die Zeitung könne Einzelheiten von Flores’ Schilderungen nicht überprüfen und unabhängig bestätigen lassen.
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Als Gegenleistung für ihre Unterschrift erhielt sie nach eigenen Angaben eine einmalige Barzahlung von 30.000 oder 40.000 Rubel, umgerechnet grob 400 Euro. Anfangs sollte Flores, so berichtet sie es dem »Guardian«, Informationen über andere regimekritische Künstler aus ihrem Umfeld sammeln und diese an den FSB weiterleiten.
Die beiden Beamten, die sie angeworben hatten, seien dann zu ihren festen Kontaktleuten geworden, die weitgehend die »Good Cop, Bad Cop«-Masche angewandt hätten. Den ranghöheren Beamten, einen derben Mann Ende vierzig, der sich mit wechselnden Namen vorstellte, habe sie selten zu Gesicht bekommen. Sie habe ihn schließlich »die Jacke« genannt, in Anspielung auf das Outfit, das er häufig getragen habe. Der jüngere Beamte namens Iwan habe oft freundlich und hilfsbereit gewirkt.
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