Wassermangel im Odertal - Einzigartiger Nationalpark trocknet aus
Brandenburg – Der einzige Auen-Nationalpark Deutschlands im Unteren Odertal trocknet aus. Auen sind die flachen, feuchten Wiesen- und Grünlandflächen entlang eines Flusses – sie werden bei Hochwasser regelmäßig überflutet und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Parkdirektor Dirk Treichel schlägt Alarm: „Einen solchen Zustand wie in diesem Jahr gab es noch nie.“
Der Pegel liegt nach Angaben Treichels deutlich unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserstand. Nach diesem Sommer seien „die Gewässer, Wasserwege und Gräben des Nationalparks fast komplett weg. Wenn man da reinguckt, sieht man nur noch getrockneten Schlamm“, so Treichel zur „taz“.
Das einzigartige Ökosystem des Parks ist auf den natürlichen Wechsel von Überflutung und Austrocknung durch die Oder angewiesen. Spezialisierte Arten wie die Brenndolde, die Rotbauchunke und der Laubfrosch – Namen, die den wenigsten etwas sagen, aber ökologisch unverzichtbar sind – verlieren ihre Lebensgrundlage.
Der Park ist zudem kein gewöhnliches Schutzgebiet: Nur ein kleiner Teil der deutschen Flussauen gilt laut Bundesamt für Naturschutz noch als naturnah. Das Untere Odertal ist damit einer der letzten Rückzugsorte für Arten, die anderswo längst verschwunden sind. Verschwinden Populationen auch hier, geht ein weiterer bedeutender Bestand verloren. Denn Artensterben ist nicht umkehrbar: Ein Wald kann nachwachsen, eine ausgestorbene Art nicht.
In einem Ökosystem hängt vieles zusammen. Verschwindet eine Art, kann das Folgen für zahlreiche weitere Tiere und Pflanzen haben. Intakte Auen kühlen zudem ihre Umgebung, halten Hochwasser zurück und speichern CO 2 .
Der Nationalpark versucht gegenzusteuern: Ein Renaturierungsprojekt soll alte, vom Fluss abgetrennte Seitenarme wieder an die Oder anschließen – damit Wasser länger in der Landschaft bleibt, statt schnell abzufließen. Treichel hofft, „eine Arche Noah auf 10.000 Hektar zu entwickeln und zu erhalten“ – räumt aber ein: „Gegen den brutalen Einfluss des Klimawandels können auch wir uns nicht komplett abschotten.“
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