Drei Generationen - Diese Familie bringt Menschen zurück ins Leben
Duisburg – Ein falscher Handgriff kann hier Folgen haben. Ein richtiger kann einem Menschen ein Stück Freiheit zurückgeben. Thomas Münch ist Orthopädietechnik-Meister. In seinem Duisburger Familienbetrieb Münch Orthopädietechnik werden Prothesen und andere Hilfsmittel gefertigt und an Menschen angepasst, die nach Amputationen oder schweren Verletzungen wieder zurück in ihren Alltag wollen.
Für Münch ist das viel mehr als ein Job . „Wir arbeiten am menschlichen Körper. Da kann man sich eigentlich keine Nachlässigkeit erlauben“, sagt er. Sein Vergleich ist drastisch: Ist eine Schraube an einem Schrank locker, wackelt der Schrank. Passiert ein Fehler bei der Versorgung eines Patienten, kann der Mensch stürzen.
Die Geschichte des Betriebs begann vor 75 Jahren mit Münchs Vater. Heute steht bereits die dritte Generation bereit: Beide Söhne sind im Unternehmen und ebenfalls Orthopädietechnik-Meister. Für den Vater könnte es kaum eine größere Anerkennung geben. „Wenn die eigenen Kinder freiwillig denselben Beruf ergreifen, ist das sicherlich das schönste Kompliment, das man als Handwerksmeister bekommen kann.“
Dabei klammert sich Münch nicht an seinen Chefstuhl. Seine Söhne sind seit neun beziehungsweise zehn Jahren im Betrieb und gleichberechtigte Geschäftsführer. Sie hätten eigene Vorstellungen, sagt der Vater. „Deswegen muss man sie auch machen lassen.“ Er mischt sich ins operative Geschäft bewusst nicht ein. Einmal in der Woche sitzt die Familie zusammen, diskutiert Entscheidungen. Dann übernehmen die Söhne Verantwortung.
Auch das Handwerk selbst verändert sich rasant. Digitale Scans, computergestützte Konstruktionen und moderne Fertigungsverfahren sind längst Alltag. Elektronische Kniegelenke können mit Prothesenfüßen kommunizieren. Neue Operationsverfahren ermöglichen sogar komplexere Bewegungen mit Armprothesen. Doch Münch ist überzeugt: Ganz ohne Handarbeit wird es nicht gehen. „Für uns gibt der Mensch den Ton an. Und wir in der Technik müssen dem folgen.“ Bei der Anpassung brauche es weiterhin Erfahrung und vor allem Einfühlungsvermögen.
43 Mitarbeiter beschäftigt das Familienunternehmen heute. Münch sagt: „Ein Familienbetrieb darf nicht nur auf die nächsten Quartalszahlen schauen. Deshalb investieren wir viel Geld in Auszubildende, Maschinen und Weiterbildung.“ Sein Satz dazu ist so einfach wie eindeutig: „Kein Mitarbeiter ist eine Nummer, sondern erst ein Mensch.“ Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieser Handwerksfamilie: Sie gibt Menschen Halt und ihr Lebenswerk an die nächste Generation weiter.
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