Wie Kürzungen die humanitäre Hilfe verändern
Tag der humanitären Hilfe "Wenn ihr nicht da wärt, würden wir verhungern" Stand: 19.08.2026 • 15:05 Uhr
Die humanitäre Hilfe steht weltweit immer stärker unter Druck. In vielen Ländern werden die Mittel gekürzt - auch durch die Bundesregierung. Was bedeutet das für Helfer und Menschen in Not?
Seit einer Woche ist Lukas Eichelter jetzt in Khartum. Das Bild, das sich ihm beim Anflug auf die kriegsgebeutelte Hauptstadt des Sudan geboten hat, hat sich dem 34-jährigen humanitären Helfer ins Gedächtnis gebrannt. "Wenn man hier landet, sieht man zerbombte Flugzeuge, die Stadt ist perforiert, also es schaut aus, als ob man mit einem Pfefferstreuer über die Stadt gegangen wäre und hätte jedes Gebäude gesprenkelt." Khartum sei komplett zerschossen.
Eichelter ist für das Welternährungsprogramm seit Beginn des Jahres im Sudan im Einsatz. Er ist einer von vielen Helferinnen und Helfern, die an diesem 19. August 2026 Menschen in einer Krisenregion helfen zu überleben.
Der Tag der humanitären Hilfe, der seit 2008 einmal im Jahr die Leistungen der Helfer würdigen soll, erinnert an die Explosion einer Autobombe vor dem UN-Hauptquartier in Bagdad am 19. August 2003. Dabei wurden der damalige Hochkommissar für Menschenrechte, Sergio Vieira de Mello, und 21 weitere UN-Mitarbeiter getötet.
Auch Eichelter kennt das flaue Gefühl im Magen. In seiner ersten Woche habe es in Khartum wieder Drohnenangriffe gegeben. Die Stadt ist mit Minen übersät. Nach Gaza ist der Sudan das Land, in dem die meisten Helfer getötet oder verletzt werden. Weltweit starben im vergangenen Jahr mehr als 350 Helferinnen und Helfer in Krisengebieten.
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Der Sudan ist gut fünfmal so groß wie Deutschland. 20 Millionen Menschen sind allein in diesem afrikanischen Land von humanitärer Hilfe abhängig. Rund fünf Millionen Menschen haben so wenig zu essen, dass sie als extrem hungergefährdet gelten, erzählt der Mitarbeiter des Welternährungsprogramms. Doch weil überall auf der Welt die Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt werden, können die Helfer im Sudan an mehr als drei Millionen Menschen nur noch die Hälfte der eigentlich nötigen Ration verteilen.
"Eine Ration sind 2.100 Kalorien", erklärt Eichelter. "Das heißt, diese Menschen leben von 1.050 Kalorien am Tag, die sie von uns bekommen, und das hat ausschließlich Finanzierungsgründe." Die Aufgabe, die Rationskürzungen den Betroffenen mitzuteilen, sei inzwischen ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. "In Darfur hab ich einen alten Mann getroffen, der gesagt hat, wenn ihr nicht da wärt, dann würden wir verhungern."
Lukas Eichelter, Welternährungsprogramm, zu den Sparmaßnahmen der humanitären Hilfe im Sudan tagesschau24, 19.08.2026 • 09:00 Uhr Bundesregierung kürzt humanitäre Hilfe drastisch In Deutschland ist die humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt angesiedelt. Im Haushalt 2025 war sie um die Hälfte auf rund 1,06 Milliarden Euro gekürzt worden.
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