Israels Kulturminister droht Machern von Gaza-Doku mit Entzug der Staatsangehörigkeit
Den beiden preisgekrönten Regisseuren der Gaza-Dokumentation „NAZA“ sollen nach dem Willen von Israels Kulturminister Miki Zohar ihre israelische Staatsbürgerschaft entzogen werden.
Zohar teilte am Sonntag im Onlinedienst X mit, er habe das Innenministerium kontaktiert, um diesen Schritt gegen die Filmemacherin Rachel Szor und ihren Kollegen Yuval Abraham zu prüfen, weil ihnen „die Loyalität gegenüber dem Staat fehlt und sie mit dem Feind kollaboriert haben“.
Am Montag erklärte Zohar dann, er habe die israelischen Behörden zu einer Untersuchung aufgefordert, um die anonymen Militärquellen in der Doku zu identifizieren. „NAZA“ war am Samstag beim Filmfestival von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet worden.
Die Dokumentation war bei ihrer Premiere in Venedig mit 25 Minuten andauernden stehenden Ovationen gefeiert worden und wurde auch von Kritikern hoch gelobt.
In „NAZA“ berichten 24 israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, dass die israelische Armee im Gazastreifen auf der Jagd nach Mitgliedern der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas bewusst zivile Opfer in Kauf genommen habe.
Der Titel bezieht sich laut den Filmemachern auf eine Abkürzung, die von der Armee genutzt wurde, um solche „Kollateralschäden“ bei jedem Angriff einzuschätzen.
Einer der Befragten sagt in dem Film, dass bei einem Angriff auf ein einziges Ziel 500 Menschen in der Umgebung getötet worden seien.
Kulturminister Zohar warf den nun „Verrat am Staat“ Israel vor.
Sie seien bereit, „ihrem Heimatland zu schaden, um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu erhalten“.
Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir griff die beiden Filmemacher ebenfalls scharf an. „Ihr seid eine Schande und eine Blamage für das gesamte israelische Volk.
Verschwindet!“, schrieb er auf X.
Am Montag forderte Zohar zudem die Offenlegung der Quellen des Films: „Ich habe auch eine Untersuchung dazu angefordert, wie die Informationen beschafft wurden, und wer dahintersteckt, und zu prüfen, ob zu ihrer Beschaffung und Veröffentlichung Handlungen unternommen wurden, die einer Unterstützung des Feindes zu Kriegszeiten gleichkommen.“ Meinungsfreiheit sei kein Freibrief, um den Staat zu betrügen. „Alle, die zu Kriegszeiten gegen Israel handeln, sollten wissen, dass dafür ein Preis zu zahlen ist." Der Entzug der Staatsangehörigkeit ist in Israel rechtlich möglich, wird jedoch selten angewendet.
Der Oberste Gerichtshof bestätigte 2022, dass ein solcher Schritt möglich sei, wenn die Beschuldigten durch Spionage oder Verrat ihre „Loyalität“ gegenüber dem Staat gebrochen haben.
2023 wurde das entsprechende Gesetz auf „Terror"-Delikte ausgeweitet.
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