Neuer Tinder-Schwindler verurteilt - Sein Opfer hatte am Ende noch 1 Euro auf dem Konto
Bristol – Eine Geschäftsfrau aus Devon (England) hatte am Ende nur noch 93 Pence (etwa 1 Euro) auf dem Konto. Betrüger Joseph Gibson hatte sie über Monate ausgenommen. Als angeblich todkranker Elitesoldat und Multimillionär spielte er der Frau die große Liebe vor – und brachte sie dazu, ihm Geld zu schicken. Wie die „BBC“ berichtet, verurteilte ein Gericht den Mann jetzt zu drei Jahren und zwei Monaten Haft. Insgesamt betrog Gibson vier Opfer um fast 68.000 Pfund (etwa 80.000 Euro). Einige seiner Opfer lockte er über die Dating-App Tinder an.
Gibsons Fantasie kannte dabei keine Grenzen: Wie der „Mirror“ berichtet, erzählte er seinen Opfern, er besitze 21 Immobilien – unter anderem in Dubai, Singapur und Mayfair, einem Luxus-Stadtteil von London. Den Frauen schrieb er Nachrichten wie: „Ich habe alles, was ich will: fantastische Häuser, Autos, Boote, Hubschrauber.“ Oder auch: „Es soll nicht nach Angeberei klingen, aber mein Vermögen wurde auf 440 Millionen geschätzt.“ Die Chat-Protokolle wurden vor Gericht ausgewertet. In seinen ausschweifenden Lügenkonstrukten war Gibson nicht nur steinreich, sondern auch sehr mutig: Während seiner Zeit als Elitesoldat, wurde er einmal sogar in die Luft gesprengt. Der Richter bezeichnete die Behauptungen als „reine Fantasie“.
Sehr real war dagegen das Geld, das er den Frauen aus der Tasche zog: Eine Frau verlor umgerechnet insgesamt 24.500 Euro. Einer anderen Frau spielte Gibson vor, wie die Filmfigur „Mr Grey“ aus dem Roman „Fifty Shades of Grey“ zu sein. In seiner Rolle überredete er die Frau, ihm umgerechnet 11.650 Euro für Investitionen zu überweisen. Er würde dann 174.800 Euro daraus machen. Das Geld sah sie nie wieder.
Unter seinen Opfern war übrigens auch ein Mann: Ein pensionierter Kapitän von Super-Yachten. Gibson hatte ihm erzählt, er habe eine Luxus-Yacht gekauft. Der Mann glaubte den Lügen – und verlor so die Renten-Ersparnisse für sich und seine Frau.
Selbst den Richter am Bristol Crown Court wollte der Tinder-Schwindler am Ende noch übers Ohr hauen: Er hatte ihn gebeten, die Urteilsverkündung zu verschieben. Er habe noch Geld aus seiner Zeit als Ingenieur in Großbritannien, Bulgarien und Dubai – und könne damit seine Opfer entschädigen. Als herauskam, dass er das Geld nicht hatte, musste er sich seinem Urteil stellen. Während des Prozesses soll Gibson vor Angst regelrecht gezittert haben, so schildern es englische Medien.
Der Richter richtete sich abschließend noch einmal direkt an den Tinder-Schwindler: „Man kann nur Mitleid mit jenen haben, die das Unglück hatten, dass Sie in ihr Leben getreten sind.“ Eine Einsicht des Betrügers scheint unwahrscheinlich. Die Ermittler der Polizei bezeichneten ihn als „selbstsicher und manipulativ“.
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