Psychische Störung - Warum sich Menschen immer wieder die Haare ausreißen
Haare ausreißen, obwohl man damit aufhören will: Für Menschen mit Trichotillomanie kann genau das zum Alltag gehören. Die psychische Erkrankung sorgt dafür, dass Betroffene sich wiederholt Kopf-, Wimpern- oder andere Körperhaare ausreißen – bewusst oder nahezu automatisch, etwa beim Fernsehen oder Lesen.
Am häufigsten trifft es die Kopfhaare, danach Augenbrauen und Wimpern. In schweren Fällen reißen Betroffene täglich und über Stunden Haare aus. Kahle Stellen können entstehen, teilweise blutet die Haut . Viele schämen sich und versuchen, die Folgen mit Frisuren oder Haarteilen zu verstecken. Die Erkrankung beginnt häufig bereits zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr.
Warum Trichotillomanie entsteht, ist bislang nicht geklärt. Die Erkrankung kann in der Familie liegen oder genetisch bedingt sein. Auch psychische Belastungen und bestimmte Situationen können sie auslösen. Lange galt hauptsächlich innere Anspannung als wichtiger Auslöser.
Eine 2026 veröffentlichte Studie der Universität Heidelberg liefert ein differenzierteres Bild. Forscher begleiteten 61 Erwachsene mit diagnostizierter Trichotillomanie zehn Tage lang. Der stärkste Hinweis auf späteres Haareausreißen war ein bereits vorhandener starker Drang. Auch Langeweile sagte spätere Episoden voraus. Negative Gefühle dagegen nicht.
Behandelt wird Trichotillomanie vorrangig mit Psychotherapie. Ein zentraler Ansatz ist das Habit-Reversal-Training, auf Deutsch Gewohnheitsumkehr-Training. Betroffene lernen zunächst, ihr Verhalten und persönliche Auslöser bewusster wahrzunehmen.
Danach üben sie Handlungen, die das Haareausreißen verhindern sollen – etwa die Faust zu ballen, etwas in der Hand zu halten oder sich auf die Hände zu setzen. Eine niederländische Studie mit 43 Patienten zeigte: Bei 64 Prozent der Teilnehmer in der Verhaltenstherapiegruppe gingen die Symptome signifikant zurück. Bei dem Antidepressivum Fluoxetin waren es neun Prozent. Ein speziell für Trichotillomanie zugelassenes Medikament gibt es bislang nicht.
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