Nach fast 160 Jahren - Karosseriewerk kämpft ums Überleben
Biberach (Baden-Württemberg) – Jetzt hat die Wirtschaftskrise den nächsten Traditionsbetrieb getroffen. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit musste der Spezialist für Fahrzeugaufbauten Insolvenz anmelden. Das Ende einer 158-jährigen Firmengeschichte droht.
Die Ursprünge der Karosseriefabrik Biberach GmbH in Baden-Württemberg gehen bis ins Jahr 1868 zurück. Damals begann alles mit den Gebrüdern Ottenbacher, die Kutschenwagen herstellten. Aus dem Unternehmen wurde 1900 die Wagenfabrik Ottenbacher, die erste Aufbauten für motorbetriebene Fahrzeuge fertigte.
1984 übernahm die Familie Denz das Werk. Der Name wurde in Karosseriefabrik Biberach geändert. Über die Landesgrenzen hinaus machte man sich einen Namen als Hersteller von Spezialaufbauten. Doch nun der jähe Schnitt: Geschäftsführer Frank Denz musste beim Amtsgericht Ravensburg den Antrag auf Insolvenz stellen.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Ulmer Rechtsanwalt Michael Winterhoff ernannt. Der erklärt gegenüber BILD: „Die derzeitige gesamtwirtschaftliche Lage und die damit verbundenen Herausforderungen für die Industrie sind auch an der Karosseriefabrik Biberach nicht spurlos vorbeigegangen.“ Ein schweres Los, das in der jüngsten Vergangenheit bereits andere Familienunternehmen getroffen hat. Doch die Besitzer der Fabrik in der kleinen Stadt (rund 34.000 Einwohner) im Regierungsbezirk Tübingen wollen nicht aufgeben.
Auf BILD-Anfrage betont Geschäftsführer Denz: „Das klare Ziel ist es, die Karosseriefabrik fortzuführen.“ Bestehende Strukturen sollen aber überprüft und das Unternehmen neu aufgestellt werden.
Der Insolvenz-Antrag sei als „vorsorglicher Schritt“ zu verstehen und gestellt worden, „um frühzeitig handeln zu können“. Die Belegschaft sei in einer Betriebsversammlung am vergangenen Montag informiert worden. Rund 30 Mitarbeiter bangen jetzt um ihre Arbeitsplätze.
Optimistisch stimmt Denz nach eigenen Angaben die aktuell noch gute Auslastung: „Wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten auf die Nischenproduktion von Fahrerhäusern und Nutzfahrzeugaufbauten spezialisiert und verfügen hier über entsprechendes Know-how, das auch in Zukunft gefragt sein wird.“
Auf der Homepage des Unternehmens heißt es dazu: „Ob Serien- oder Einzelanfertigung, wir orientieren uns an den Anforderungen der Kunden, getreu unserem Motto: Wir bauen alles auf Räder auf.“ Auch wenn es ein schwerer Weg werden dürfte: Komplett unter die Räder kommen will die Karosseriefabrik nicht.
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