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Referendum: Nimmt Island Beitrittsverhandlungen mit der EU auf?

Tagesschau (ARD) ·
Referendum: Nimmt Island Beitrittsverhandlungen mit der EU auf?

Referendum Nimmt Island Beitrittsgespräche mit der EU auf? Stand: 29.08.2026 • 05:43 Uhr

Es geht um Sicherheit, Souveränität und Fischereirechte: Heute stimmt Island darüber ab, ob die Beitrittsgespräche mit der EU wieder aufgenommen werden. Kurz vor dem Referendum ist Island gespalten wie nie.

Kjartan Pall Sveinsson steht am Ruder seines rot-weißen Fischerboots und steuert aus dem Hafen des Örtchens Grundarfjördur. Der Isländer ist Sprecher der Gruppe der kleinen Küstenfischer in Island. Auf dem Weg hinaus auf den Fjord geht es vorbei an größeren Trawlern, die anders als sein Boot tagelang auf See bleiben können.

Die Küstenfischer haben es schwer, sich gegen die großen isländischen Fischunternehmen zu behaupten, sagt Sveinsson. In Island nenne man sie die "Quotenkönige", weil sie seit den 1980er-Jahren einen Großteil der isländischen Fangquoten kontrollieren. Sie seien vehement gegen den EU-Beitritt, erklärt der Fischer. "Und ich kann es ihnen nicht mal verübeln - denn sie haben sich in den letzten 40 Jahren genauso eingerichtet, wie es ihnen passt."

Die Hälfte der Mitglieder seiner Gewerkschaft seien gegen Verhandlungen über einen EU-Beitritt, erklärt Fischer Sveinsson.

Heute stimmen die Menschen in Island über die Frage ab, ob Island mit der EU wieder über einen Beitritt verhandeln soll. Der Ausgang des Referendums ist laut den jüngsten Umfragen völlig ungewiss. Auch die Mitglieder seiner Gewerkschaft seien gespalten, erklärt Sveinsson.

Sie glauben, dass es ihnen in der EU vielleicht sogar besser gehen könnte als im jetzigen System - weil die isländische Regierung dann vielleicht besser auf die Interessen der Kleinfischer Rücksicht nehmen müsste, als sie das bisher tut.

Manche seiner Kollegen teilten aber auch die Sorgen der großen Fischfirmen, sagt Sveinsson. "Sie haben Angst, dass andere europäische Unternehmen kommen und anfangen könnten, unsere Quoten aufzukaufen. Das würde auch das Leben von uns kleinen Küstenfischern schwieriger machen."

Island hatte nach der Finanzkrise ab 2009 schon einmal mit der EU über einen Beitritt verhandelt. 2013 hatte die damalige Regierung die Gespräche abgebrochen, auch damals vor allem wegen Differenzen bei der Fischereipolitik. Schon bei ihrem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren versprach Islands sozialdemokratische Ministerpräsidentin Kristrun Frostadottir eine Volksabstimmung über die EU-Frage, bis spätestens 2027.

Dass das Referendum nun doch schon deutlich früher stattfindet, sei kein Zufall, meint die Politikwissenschaftlerin Vilborg Asa Gudjonsdottir von der Universität Reykjavik. Die Regierung habe die Entscheidung im Frühjahr mit der turbulenten globalen Situation begründet. Sie habe argumentiert, dass das Referendum ohnehin geplant sei und es nur noch um den Zeitpunkt gehe.

"Dass die Abstimmung schon im August stattfindet, liegt laut der Regierung an den jüngsten geopolitischen Spannungen", unterstreicht Gudjonsdottir. "Das genaue Timing hat also vielleicht mit Trump und Grönland zu tun."

Kristrun Frostadottir ist die Regierungschefin Islands.

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