„Wir werden wie Tiere behandelt“ - Sanifair-Mitarbeiter packen über Ausbeutung aus
Mainz – Sie machen sich die Hände an unseren Autobahn-Raststätten schmutzig, entsorgen unsere Hinterlassenschaften – und werden dabei offenbar massiv ausgebeutet. Das ARD-Format „Report Mainz“ enthüllt katastrophale Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte in Sanifair-Toiletten. So soll es u.a. zu massiven Arbeitszeitüberschreitungen kommen – bei viel zu geringer Bezahlung.
In der Reportage packt einer der „Klomänner“ aus, erhebt schwere Vorwürfe. Der anonyme Sanifair-Mitarbeiter: „Sie haben keine Ahnung, was wir jeden Tag durchmachen und wie wir gedemütigt werden. Wir werden wie Tiere behandelt. Am Ende werfen sie dich weg wie einen nutzlosen Gegenstand.“ Der Mann arbeitet den Angaben zufolge seit mehr als einem Jahr an einer Tank & Rast-Anlage. Er behauptet: Für seinen Knochenjob erhält er angeblich rund fünf Euro pro Stunde, außerdem werden ihm nur acht freie Tage im Jahr zugestanden. Doch er arbeitet aus Angst vor Obdachlosigkeit weiter – denn eine Unterkunft werde ihm vom Arbeitgeber gestellt.
Dem Bericht zufolge sind die Reinigungskräfte jedoch nicht bei Sanifair angestellt; der anonyme Mitarbeiter – und demzufolge auch seine Kollegen – arbeiten für Subunternehmen, die wiederum von den jeweiligen Raststättenbetreibern beauftragt sind. Auf diese Weise würden die Arbeitskräfte ausgebeutet, der gesetzliche Mindestlohn für Gebäudereiniger umgangen. Dieser liegt bei 15 Euro pro Stunde. „Report Mainz“ deckte diese Zustände auch an anderen Raststätten auf.
Sanifair reagierte deutlich auf die Vorwürfe. In dem Bericht heißt es, man nehme die Hinweise ernst. Das Unternehmen schob die Verantwortung jedoch weiter: Die Franchisenehmer, also die Betreiber der Tank- und Raststellen, führten die „Sanifair-Standorte in alleiniger Verantwortung“. Sie seien aber vertraglich zur „Einhaltung gesetzlicher Standards“ verpflichtet. Sanifair teilte weiter mit, dass „keinerlei rechtswidriges Verhalten“ geduldet werde.
Laut eigenen Angaben betreibt Sanifair (2004 gegründet) 550 Standorte in ganz Europa. Kunden zahlen einen Euro für den Zutritt zu den Toilettenanlagen und erhalten dafür einen Wertgutschein. 2024 erhöhte die Klo-Firma ihre Preise an mehreren Bahnhofstoiletten in Deutschland sogar auf 1,50 Euro . Auf seiner Webseite wirbt das Unternehmen mit „kompromissloser Hygiene“. Hinter den Kulissen scheint es jedoch alles andere als sauber zuzugehen.
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