Was hinter Xi Jinpings Reisefieber steckt
Chinas Staatschef reist so viel wie seit sieben Jahren nicht. Was Xis Route über seine Ziele für das Treffen mit US-Präsident Trump verrät und welche Region keine Rolle spielt.
Von Januar bis Juni dieses Jahres hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping genau eine Auslandsreise gemacht: Er war Anfang Juni in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Seit der Corona-Pandemie reist Xi nur noch selten - er sieht es lieber, wenn ausländische Staatsgäste sich in Peking die Klinke in die Hand geben.
Wie die Kaiser in vergangenen Zeiten empfängt die Kommunistische Partei andere Staatenlenker lieber mit viel Pomp zu Hause, auch um dem eigenen Volk Chinas wachsende Bedeutung zu zeigen. Doch seit Ende August jagt in Xis Kalender eine Auslandsreise die nächste: Kirgisistan, Ägypten, Indien, und diese Woche geht es in die USA . Drei Gründe, warum Xi gerade so viel in der Welt unterwegs ist wie seit sieben Jahren nicht.
Xi Jinping neben dem indischen Premierminister Narendra Modi, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und sieben weiteren Männern. Alle mit einem Holzstab in der Hand, an dessen Ende eine goldene Schaufel befestigt ist. Jeder pflanzt einen Banyanbaum, als Symbol für Nachhaltigkeit, Zusammenarbeit und eine gemeinsame Zukunft. So präsentierte sich Xi beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi.
Mit seiner Teilnahme, ebenso wie am Treffen der Mitgliedsstaaten der Shanghai Cooperation Organization, verleiht Chinas Parteichef diesen Bündnissen Gewicht. Es sind Bausteine seiner alternativen Weltordnung, einer Weltordnung, die nicht mehr von den USA angeführt wird, wie Lin Minwang, stellvertretender Direktor des Zentrums für Südasienstudien an der Fudan-Universität in Shanghai, erklärt.
Laut Peking ist die Shanghai Cooperation Organization (SCO) von ursprünglich sechs Mitgliedsstaaten (China, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Usbekistan) inzwischen auf zehn Mitgliedsländer, 15 Austauschpartner und zwei Beobachter angewachsen. Die Organisation repräsentiert nicht nur fast die Hälfte der Weltbevölkerung, sondern auch ein Fünftel der Ölreserven, mehr als 40 Prozent des weltweiten Erdgases und einen überwältigenden Teil der seltenen Erden. Das ursprünglich primär sicherheitspolitisch ausgerichtete Bündnis verfolgt inzwischen auch ökonomische und entwicklungspolitische Interessen. Für Peking soll es der Welt vor allem eine Alternative zu westlichen Allianzen anbieten und zeigen, wie eine internationale Ordnung aussehen könnte, die nicht mehr von den USA angeführt wird.
Xi sendet mit seiner Teilnahme an internationalen Treffen auch eine Botschaft ans eigene Volk. Chinas staatlich kontrollierte Medien berichten von Lobeshymnen anderer Staatschefs auf Xi. "Unter Xis Führung hat China kontinuierlich große Entwicklungsmeilensteine erreicht und kann den globalen Herausforderungen mit Zuversicht begegnen", wird dort zum Beispiel der usbekische Präsident zitiert.
Peking präsentiert sich als verlässlicher Partner in Sachen Handel, Investitionen und globale Führung.
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