Auch Senioren sollen online buchen - Die Bahn schließt immer mehr Reisezentren
Wer Hilfe beim Fahrkartenkauf braucht, hat bei der Deutschen Bahn immer schlechtere Karten. Während insbesondere ältere Kunden gegen die Schließung von Reisezentren protestieren, verweist der Staatskonzern auf den Digital-Boom: Heute werden bereits neun von zehn Fernverkehrstickets online verkauft. Immer mehr Schalter stehen zur Disposition. Aktueller Fall: Aachen.
Etliche Beschwerden erreichten die Redaktion. So z. B. BILD‑Leser Frank Klenert: „Liebe Verantwortliche der DB , bitte schließen Sie das Reisezentrum nicht! Sonst ist Chaos vorprogrammiert.“ Das Reisezentrum soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 schließen. Fernverkehrstickets sollen künftig über die Verkaufsstelle von go.Rheinland verkauft werden.
Aus Mecklenburg-Vorpommern gibt es bereits Warnungen vor einem großflächigen Rückzug der Bahn aus der persönlichen Kundenberatung. Dort war laut einer parlamentarischen Anfrage sogar die Schließung aller DB-Reisezentren im Gespräch. Das Land sah sich deshalb veranlasst, den Erhalt von Standorten mit zusätzlichen Steuergeldern zu unterstützen. Auch in anderen Regionen (wie z.B. Sachsen-Anhalt) wächst die Sorge, dass die persönliche Beratung am Bahnhof Schritt für Schritt verschwindet.
Die Bahn macht keinen Hehl daraus, nach welchen Kriterien sie künftig entscheidet. Modernisiert werden vor allem wichtige Fernverkehrs-Bahnhöfe. Eine Bahn-Sprecherin: „Entscheidend sind die Zahl der Ein- und Umsteiger, die typische Reiseweite der Kunden und deren Servicebedarf.“
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Im Nahverkehr konkurriert die Bahn bei Ausschreibungen mit anderen Anbietern. Geht ein Verkehrsvertrag an einen Wettbewerber, verkauft dieser häufig auch die entsprechenden Tickets. Für ein DB-Reisezentrum bleibt dann oft nur noch der Verkauf von Fernverkehrskarten. Nach Darstellung der Bahn lohnt sich das an kleineren Standorten wirtschaftlich häufig nicht mehr.
Besonders ältere Fahrgäste trifft die Entwicklung. Ihr Vorwurf: Gerade Behinderte und Senioren seien auf Schalter angewiesen. Die Bahn kontert: Menschen mit Schwerbehindertenausweis können inzwischen auch online kostenlos Sitzplätze für sich und eine Begleitperson reservieren.
Die Botschaft der Bahn ist klar: Der Schalter verliert, das Smartphone gewinnt. Für Millionen ältere Fahrgäste fühlt sich das allerdings weniger nach Fortschritt an – sondern nach einer weiteren Bahnhofstür, die sich vor ihnen schließt.
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