Fan-Wut statt „Glücksgefühle“ - Der Alphaville-Eklat
Hockenheim (Baden-Württemberg) – Die Ausladung von Alphaville („Forever Young“) beim „Glücksgefühle“-Festival sorgt weit über die Fangemeinde der Band hinaus für Wirbel. Seit Sänger Marian Gold (72) die Absage des geplanten Auftritts am Mittwochmorgen öffentlich gemacht hat, überschlagen sich in den sozialen Netzwerken die Reaktionen. Fans zeigen sich empört, auch andere Künstler und Branchenbeobachter diskutieren über den Fall. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Meinungsfreiheit, der Rolle von Veranstaltern und den Grenzen politischer Äußerungen auf Festivalbühnen. Was genau ist passiert? Warum wurde Alphaville ausgeladen? Und wie begründen beide Seiten ihre Position? BILD beantwortet die wichtigsten Fragen zum Alphaville-Eklat.
Alphaville hatten sich vor wenigen Wochen bei einem 80er-Jahre-Festival, das auch Markus Krampe veranstaltete, während ihres Auftritts gegen die AfD und rechtsradikale Tendenzen in der Gesellschaft geäußert. Danach machte er Sänger Marian Gold klar, dass er dies auf seinen Festivals nicht haben möchte. Weil diese unpolitisch seien. Deshalb wollte er von der Band die Zusicherung, dass sich das bei „Glücksgefühle“ nicht wiederholt. Darauf hat sich Alphaville nicht eingelassen. Konsequenz: Deren Auftritt wurde am Dienstagabend abgesagt.
Bandmanager Christian Mielke sagte zudem der dpa, Gold habe sich in der Ansage zum Song „Carry Your Flag“ deutlich gegen rechtsradikale Tendenzen positioniert. Das habe zu Diskussionen mit den Veranstaltern geführt. Alphaville hatte der AfD zuvor die Nutzung ihres Hits „Forever Young“ untersagt.
Nein. BILD wurde davon überrascht. Am Mittwochmorgen sahen unsere Reporter das Facebook-Posting von Alphaville. Auf Nachfragen bestätigte der Veranstalter dann die Ausladung. Die Band hätte am Freitag um 14.30 Uhr auf der „Dopamine Stage“ spielen sollen.
Für die Band gleicht die Absage einem „Maulkorberlass“. Wörtlich heißt es: „Das eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd.“ Weiter schreibt der Sänger, Alphaville hielten Meinungsfreiheit, Toleranz und Demokratie für hohe Güter, die es zu verteidigen gelte. Die Ausladung sei ein „feindseliger und vollkommen unnötiger Akt“.
Zu BILD sagte er am Mittwoch: „Uns geht es dabei ausdrücklich nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville. Das Glücksgefühle-Festival ist komplett unpolitisch – und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung. Unsere Bühne soll der Musik gehören – nicht politischen Auseinandersetzungen.“
„Selbstverständlich wissen wir, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland ein hohes Gut ist, und wir respektieren und schützen dieses Recht. Gleichzeitig haben auch wir als Veranstalter das Recht, den Rahmen für unsere Veranstaltungen festzulegen.“
Unklar. Auf eine erneute Anfrage u.a. dazu hat Markus Krampe noch nicht reagiert. Üblich ist dies laut Branchenexperten jedoch nicht. Denn die Meinungsfreiheit ist im Grundgesetz in Artikel garantiert.
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