Jabloko-Chef Rybakow: "In Russland denken viele wie wir"
Interview Jabloko-Chef Rybakow "In Russland denken viele wie wir" Stand: 22.08.2026 • 11:15 Uhr
Die russische Oppositionspartei Jabloko lehnt den Ukraine-Krieg ab und darf nach einem Gerichtsurteil nicht an der Parlamentswahl im September teilnehmen. Parteichef Rybakow spricht im Interview über die Gründe dafür - und über den Rückhalt im Land.
Nikolai Rybakow: Einerseits ist heute ein ganz normaler Tag, und wir leben in Freiheit in Moskau. Andererseits erhalte ich jeden Morgen Nachrichten, dass Menschen ums Leben gekommen sind. Und ich denke selbstverständlich darüber nach, was mit meinem Stellvertreter, Lew Schlosberg, in Pskow passiert ist: Elf Jahre Haft - weil er sich für Frieden einsetzt. Ich fühle mich wie ein Mensch, um den herum so Vieles passiert.
Die russische Oppositionspartei Jabloko stellt sich offen gegen den Krieg - nun hat das Oberste Gericht sie von der Parlamentswahl ausgeschlossen. mehr
ARD: Was genau bedeutet das Urteil, dass Ihre Partei von der Duma-Wahl ausgeschlossen ist?
Rybakow: Es geht nicht nur darum, was das für Russland bedeutet, sondern für die ganze Welt. Und ich würde sagen, dass es nicht nur darauf ankommt, ob Jabloko auf dem Stimmzettel steht oder nicht, sondern dass bereits jetzt Millionen von Menschen in Russland zunächst sich selbst und dann der ganzen Welt zeigen konnten, dass sie Frieden wollen und dass sie keine Angst vor dem morgigen Tag haben.
Wir kämpfen dafür, dass Jabloko bei der Wahl wieder zugelassen wird. Wir haben entsprechende rechtliche Möglichkeiten, und wir haben Kandidaten in den Wahlkreisen, die den Wahlkampf fortsetzen. Wir wollen nicht an der Wahl teilnehmen, um Abgeordnete in der Staats-Duma zu haben, sondern damit Frieden herrscht und der Tod von Menschen gestoppt wird.
Zur Person Nikolaj Rybakow ist seit 2019 Vorsitzender der russischen Oppositionspartei Jabloko (zu Deutsch: Apfel). Der 47-jährige Ökonom arbeitete zuvor bei einer Umweltschutzorganisation und war Vorstandsmitglied beim russischen Ableger von Transparency International. "Es ist ausschließlich eine politische Entscheidung" ARD: Würden Sie sagen, dass es sich um ein politisches Urteil gegen Jabloko handelt?
Rybakow: Das ist ein Gerichtsurteil gegen eine Partei, die sich für den Frieden einsetzt. Aber das geben unsere Gegner ja auch ganz offen zu. Deshalb, ja, ist es ausschließlich eine politische Entscheidung, dass auf dem Stimmzettel nur gleichartige Parteien stehen dürfen, die sich alle für dasselbe einsetzen.
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ARD: Dieser Kampf gegen Jabloko mit allen möglichen Methoden, von Einschüchterung der Unterstützer bis hin zu Gerichtsverfahren - treibt er Ihre Politik zu einer gewissen Radikalisierung?
Rybakow: Auf keinen Fall. Wir werden ihre Spielchen nicht mitspielen. Wir werden niemals so werden wie sie, unter keinen Umständen. Wir werden niemals aggressive Radikale werden. Und wir werden uns in keiner Weise so verhalten, wie sie es tun.
Die Parteien hingegen, die gegen uns kämpfen, führen den Staat in den Zerfall und sorgen dafür, dass er schwächer wird.
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