Europas Wälder stehen in Flammen - Sind in diesem Sommer unsere Klimaziele verbrannt?
Die Bilder der verheerenden Waldbrände in Spanien, Griechenland, Portugal und auch Deutschland zeigen: Wälder, die eigentlich große Mengen CO₂ speichern und so beim Erreichen der Klimaziele helfen sollen, gehen verloren oder werden geschwächt. Genau deshalb schlagen Forscher nun Alarm.
Neue Studien stellen einen zentralen Baustein des EU-Klimaplans infrage. Demnach verlieren Europas Wälder zunehmend ihre Fähigkeit, Kohlendioxid aufzunehmen. „Der bestehende Klimaplan funktioniert nicht. Wenn wir die Ziele erreichen wollen, müssen wir etwas anders machen“, sagt Klimaprofessor Jørgen E. Olesen von der Universität Aarhus (Dänemark) gegenüber der dänischen Zeitung Jyllands-Posten.
Die EU will ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent senken und bis 2050 klimaneutral werden. Dabei spielen die Wälder eine Schlüsselrolle. Doch genau dieser Teil des Plans gerät nun ins Wanken. Forscher der Technischen Universität München werteten Satellitendaten aus und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis: Zwischen 1985 und 2023 gingen in Europas Wäldern insgesamt 6,5 Milliarden Tonnen Biomasse verloren. Gründe sind Dürre, Waldbrände, Stürme, Holzeinschlag und Schädlingsbefall.
Besonders nach der extremen Dürre 2018 beschleunigte sich der Verlust. Geschwächte Bäume in Mitteleuropa wurden anfälliger für den Borkenkäfer, der innerhalb weniger Wochen ganze Bäume töten kann. Millionen Bäume starben bereits ab. „Zusammen mit anderen Studien zeigen unsere Ergebnisse, dass wir uns angesichts zunehmender natürlicher ‚Störungen‘ nicht darauf verlassen können, dass Wälder die CO₂-Emissionen anderer Sektoren ausgleichen“, sagt Studienautorin Katja Kowalski. Eine zweite Studie kommt zu dem Schluss, dass die Fähigkeit europäischer Wälder, CO₂ aufzunehmen, bis 2030 gegenüber 2010 um 39 Prozent sinken könnte. Die sogenannte Wald-Kohlenstoffsenke (Wälder, die CO₂ aus der Luft aufnehmen und speichern) läge damit um 27 Prozent unter dem von der EU angestrebten Zielwert.
Selbst die Pflanzung von drei Milliarden neuen Bäumen würde laut den Forschern nicht ausreichen, um diesen Rückgang auszugleichen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die auf den aktuellen EU-Planungen für 2030 basierende Kohlenstoffsenke der Wälder unter den derzeitigen Trends kaum erreicht werden dürfte“, erklärt François Ritter von der Universität Kopenhagen. Sollten die Wälder künftig weniger CO₂ speichern als geplant, müsste die EU an anderer Stelle deutlich stärker einsparen, bspw. im Verkehrssektor. Für Olesen zeigt die Debatte vor allem eines: „Die wichtigste – und wohl auch einzige – Strategie besteht darin, den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle weiter zu reduzieren.“
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