Trachten-Designerin erklärt - Die peinlichsten Lederhosen auf dem Oktoberfest
München – Nicht jeder möchte sich für seinen Wiesn-Besuch eine teure Lederhosn für mehrere Hundert Euro leisten. Gerade ausländische Touristen, die nur ein paar Tage in München verbringen, bleiben deshalb oft an den vielen fliegenden Klamottenständen hängen. Dort gibt’s Kleidung, die auf den ersten Blick so aussieht wie Dirndl oder Lederhose. Wer da zugreift, kommt zwar günstiger weg, erntet auf der Wiesn aber oft mitleidige Blicke.
„Kasperlgwand“ nennen die Münchner spöttisch die meist in Fernost produzierte Billig-Tracht. Der wichtigste Tipp deshalb gleich vorweg: Bevor Sie für eine solche Verkleidung Geld ausgeben, kommen Sie lieber in ganz normaler Alltagskleidung. Denn die Tracht auf dem Oktoberfest ist gar keine so alte Tradition, wie Sie vielleicht denken.
Heinz Hussmann (93) lebt in der Münchner Altstadt. Der ehemalige Vorstand der Schneiderei-Genossenschaft ORAG erinnert sich an einen Wiesnausflug im Jahr 1955. Hussmann zu BILD: „Die Männer trugen eine Stoffhose, die Frauen ein Kleid. Es war kaum Tracht dort, nur die Gruppen, die mit dem Trachtenumzug mitgelaufen sind.“
Eine eigene Kleidung für die Wiesn war damals kein Thema. Hussmann: „Man trank sein Bier, aß ein Hendl und ging dann über die Wiesn zum Karussellfahren. Die Kleidung musste für die Fahrgeschäfte geeignet sein.“ Damals kostete die Maß auch noch 1,70 D‑Mark , umgerechnet etwa 0,87 Euro.
Inzwischen hat sich das Bild komplett gewandelt. Heute ist das größte Volksfest (19. September bis 4. Oktober) ein Spektakel, zu dem Touristen aus aller Welt anreisen. Für viele gehört die Tracht mittlerweile selbstverständlich dazu. Genau deshalb fallen modische Fehlgriffe besonders auf. Junge Männer tragen häufig Scheinlederhosen aus Stoff oder billig produzierte Lederhosen in schrillen Farben. Aber auch Einheimische, oft Zugezogene, greifen bei der Kleiderwahl daneben.
Die bekannte Regensburger ( Bayern ) Dirndl-Designerin Astrid Söll (56) erzählt BILD, was sie am meisten an den Burschen stört. „Am schlimmsten finde ich die Karohemden in Weiß-Blau oder Weiß-Rot, die es bei den billigen Lederhosen für 99 Euro am Hauptbahnhof dazu gibt“, sagt sie. „Das sieht aus wie eine Tischdecke. Und manche Lederhosenfarben gehen auch gar nicht. Eine pinkfarbene Hose kann bestenfalls eine junge Frau mit Modelmaßen anziehen, aber auf gar keinen Fall ein Mann!“
Bei der Lederhosn sollte man auf Braun-, Grau- und Schwarztöne zurückgreifen. Söll: „Eine bunte Stickerei darf aber schon sein.“
Ein weiteres modisches Desaster sind normale Straßenschuhe zur Lederhosn. Söll: „Oder Slipper ohne Socken. Wir sind doch nicht an der Côte d’Azur in Frankreich! Auch Sneaker oder Wanderschuhe sieht man oft, die wirken gewollt. Zur Hose passt nur ein geschnürter Haferlschuh. Oder ein eleganter Trachtenschuh, der wie ein Anzugschuh aussieht.“
Übrigens sieht man auf den ersten Blick, wenn der Besucher bei seiner Kleidung gespart hat. Söll: „Billiges Schweineleder ist gröber als Kalb, Ziege oder Hirsch. Und man fühlt es spätestens beim Anfassen.“
Ex-Herrenschneider Heinz Hussmann ist dagegen versöhnlicher, was die Gäste im „Kasperlgwand“ angeht. Hussmann zu BILD: „Natürlich schauen die zum Teil fürchterlich aus.
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