Millionenforderung: Wegner: „Das Land Berlin wird erpresst“
Nach dem Mitte August bekannt gewordenen Hackerangriff auf das Datennetz der Verwaltung ist Berlin mit einem Erpressungsversuch konfrontiert. Berlin sei Opfer einer schweren Straftat geworden, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nach einer Sondersitzung des Senats im Roten Rathaus. „Das Land Berlin wird erpresst.“ Laut einem Bericht des „Spiegel“ verlangen die Erpresser rund zwei Millionen Euro.
Wegner kündigte an, der Senat werde auf die Forderungen nicht eingehen. Die Sicherheitsbehörden von Land und Bund arbeiteten mit Hochdruck daran, die „Tätergruppe“ zu fassen, so Wegner. Gleichzeitig werde weiterhin überprüft, welche Daten abgeflossen seien. Welche Summe gefordert wird und womit die Täter konkret drohen, hatte der Regierende Bürgermeister nicht gesagt.
Der „Spiegel“ berichtete am Freitag, hinter dem Angriff stecke offenbar die bekannte Ransomware-Gruppierung Rhysida. Das soll aus einem aktuellen Eintrag auf der Leak-Seite der Gruppierung im Darknet hervorgehen. Sicherheitskreise hätten bestätigt, dass es sich bei den Erpressern um die Gruppe Rhysida handele.
In ihrer Mitteilung behaupten die Hacker laut „Spiegel“, bei ihrem Raubzug insgesamt knapp sechs Terabyte an Daten erbeutet zu haben. Sie forderten vom Land Berlin die Zahlung von 30 Bitcoin (rund 2,05 Millionen Euro) – sonst würden sie die Daten veröffentlichen. Daneben laufe eine Countdown-Anzeige, derzufolge Berlin noch eine Woche Zeit habe, die geforderte Summe zu bezahlen.
Der Hackerangriff war am 14. August bekannt geworden. Daraufhin wurden die beiden betroffenen Senatsverwaltungen für Verkehr sowie für Bauen und Wohnen vorübergehend vom Landesnetz abgetrennt. Zunächst hieß es, sensible Daten seien nicht erbeutet worden.
Am Mittwoch aber teilte die Senatskanzlei mit, dass möglicherweise doch personenbezogene oder andere nicht-öffentliche Daten abgeflossen seien. Zuvor war nur von Geodaten die Rede, die ohnehin im Netz frei verfügbar seien. Außerdem steht mittlerweile fest, dass der Angriff deutlich früher begonnen hat, als er bekannt wurde. Nach neuen Erkenntnissen sind bereits vom 7. bis 12. August Daten abgeflossen. Die Hacker waren also schon mindestens eine Woche vor der Entdeckung des Vorgangs ins Berliner Landesnetz eingedrungen.
Damit ist aber noch nicht sicher, wann der Cyberangriff tatsächlich gestartet wurde, der Zeitpunkt kann durchaus noch davor liegen. Das Berliner Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft ermitteln zu dem Vorgang.
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte am Freitag, dass die Abgeordnetenhauswahlen am 20. September durch den Vorfall nicht gefährdet seien. „Die Wahl ist zu 100 Prozent abgesichert“, sagte sie.
An die Hacker gewandt sagte Spranger: „Wir lassen uns nicht erpressen, und wir werden uns nicht erpressen lassen.“ Der Bundesinnenminister sei über den Erpressungsversuch gestern Abend informiert worden. Er habe dem Senat alle Bundesbehörden zur Verfügung gestellt.
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