Naturspektakel im Norden: Warum sich eine Expertin Sorgen um die Kraniche macht
Sie sind dieser Tage in Scharen in der Dämmerung zu beobachten.
Tausende Kraniche rasten hierzulande.
Doch in diesem Herbst sind es bisher deutlich weniger Vögel als sonst.
Was eine Expertin vermutet.
Es ist ein milder Oktoberabend auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
Die Sonne verschwindet gerade am Horizont, da sind sie plötzlich zu sehen: unzählige Kraniche in einer Formation am Himmel, auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen, bevor sie sich auf die Reise in den Süden machen.
Erst mal sieht alles ganz stimmig aus.
Trügt der Schein? „Ich würde sagen, den Kranichen geht es mittelprächtig“, sagt Anne Kettner.
Sie ist die stellvertretende Leiterin des Nabu-Erlebniszentrums Kranichwelten im vorpommerschen Günz.
Laut Zählungen rasten aktuell um die 32.000 Kraniche, vor allem aus Skandinavien kommend, an der vorpommerschen Küste. „Normalerweise sind es um die Zeit bis zu 70.000 Kraniche.“ Ähnliche Meldungen gebe es auch aus Sachsen-Anhalt oder Brandenburg, wo etwa die Region Linum als großer Rastplatz für Zugvögel bekannt ist.
2025: Vogelgrippe bei so vielen Wildvögeln wie nie zuvor Seit den 1950er Jahren wächst der Kranichbestand in Deutschland laut Kettner – eigentlich eine Erfolgsgeschichte, sagt sie.
Doch dann der Schock: „Wegen der wirklich verheerenden Geflügelpest im letzten Herbst haben wir allein 20.000 Kraniche in Deutschland verloren und mindestens 40.000 in Europa“, sagt die Expertin.
Die Population erhole sich nur langsam.
Ungefähr 13.000 Brutpaare lebten aktuell hierzulande, die meisten von ihnen in MV, Brandenburg und Niedersachsen.
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