Kurzschläfer können aufatmen - Schlaf-Forscher rütteln an der 8-Stunden-Regel
Acht Stunden Schlaf – diese Zahl haben wohl die meisten im Kopf. Wer weniger schafft, bekommt schnell ein schlechtes Gewissen. Doch eine neue wissenschaftliche Übersichtsarbeit stellt die Fixierung auf die magischen acht Stunden infrage. Denn möglicherweise kommt es beim gesunden Schlaf auf viel mehr an als nur darauf, wie lange wir im Bett liegen.
Ein Team internationaler Forscher hat für die Untersuchung Erkenntnisse aus Anthropologie, Geschichte und Genetik zusammengetragen. Besonders spannend ist dabei der Blick auf Menschen, deren Alltag weit weniger von der modernen Industriegesellschaft geprägt ist.
Daten aus drei Jäger-und-Sammler-Gesellschaften – den Hadza in Tansania, den San in Namibia und den Tsimane in Bolivien – zeigen: Die Menschen schlafen dort im Schnitt nur etwa 6,4 bis 7,1 Stunden pro Nacht. Also keineswegs länger als Menschen in industrialisierten Gesellschaften.
In wissenschaftlichen Beiträgen geht es immer wieder um die Frage, ob wir weniger schlafen als unsere Vorfahren. „Wir glauben, dass das die falsche Frage ist“, sagt der indische Schlafforscher und Erstautor Dr. Seithikurippu R. Pandi-Perumal. Entscheidend sei vielmehr, wann der Schlaf stattfinde und wie regelmäßig sich dieser Rhythmus wiederhole.
Die romantische Vorstellung, unsere Vorfahren hätten jede Nacht selig acht oder neun Stunden durchgeschlafen und erst die moderne Welt habe uns den Schlaf geraubt, bekommt damit zumindest Risse. Künstliches Licht , Arbeit und gesellschaftliche Verpflichtungen haben vor allem unseren Rhythmus verändert: Wir schlafen später, weniger regelmäßig und orientieren uns weniger am natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel.
Auch die Gene spielen eine Rolle. Die Forscher verweisen unter anderem auf eine seltene Variante des Gens DEC2. Sie wurde bei Menschen gefunden, die ungefähr sechs Stunden pro Nacht schlafen können, ohne typische Anzeichen von Schlafmangel zu zeigen. Für Co-Autor Dr. Ahmed S. BaHammam hat das eine ganz praktische Konsequenz: „Wir sollten aufhören, jeden Kurzschläfer wie einen Patienten zu behandeln.“ Bei Menschen, deren kurzer Schlaf nachweislich genetisch bedingt ist, könne der Versuch, ihn unbedingt „korrigieren“ zu wollen, sogar mehr schaden als nutzen.
Und noch eine Frage bleibt offen: Müssen sieben oder acht Stunden Schlaf überhaupt am Stück stattfinden? Ob beispielsweise zweimal vier Stunden genauso gesund sind wie acht Stunden durchgehender Schlaf, ist bislang nicht ausreichend untersucht.
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