Bundesnetzagentur: Gas-Speicherstand "nicht zufriedenstellend"
Der Chef der Bundesnetzagentur fordert Händler auf, die Gasspeicher in Deutschland rasch aufzufüllen. Das Wirtschaftsministerium befürchtet vorerst keine Engpässe für den Winter.
Das Bundeswirtschaftsministerium versucht, Sorgen um etwaige Engpässe bei der Gasversorgung im Herbst und Winter zu zerstreuen. "Nach aktuellem Erkenntnisstand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten", heißt es in einem Papier des Hauses. Einen staatlichen Eingriff schließt man aber für die Zukunft nicht aus.
Man nehme es ernst, dass die deutschen Gasspeicher deutlich weniger gefüllt seien als in den vergangenen Jahren, so das Ministerium.
Es gelte jedoch auch: "Niedrigere Speicherstände reduzieren den Puffer für außergewöhnliche Situationen." Das sei vor allem dann relevant, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig aufträten: "Etwa eine längere Kältephase zusammen mit dem Ausfall wichtiger Importinfrastruktur oder zusätzlichen Störungen auf dem internationalen LNG-Markt." LNG steht für Flüssiggas.
Speicherstände von 60 bis 70 Prozent zu Winterbeginn würden nach Einschätzung des Ministeriums zusammen mit Importmöglichkeiten ausreichen, um eine durchschnittliche Winternachfrage zu decken. Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu rund 50 Prozent gefüllt.
Die Gaspreise sind in diesem Sommer wegen des Iran-Kriegs mit der Blockade der Straße von Hormus ungewöhnlich hoch, weshalb Händler weniger Gas für den Verkauf im Winter einkaufen. Aber, so das Wirtschaftsministerium:
Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) sieht vor allem die Privatwirtschaft in der Pflicht. "Die Wintervorsorge liegt grundsätzlich bei den Gasunternehmen und Händlern." Ein staatlicher Eingriff berge Risiken. "Staatliche Gaskäufe können zusätzliche Nachfrage schaffen, Preise erhöhen und private Einspeicherung verdrängen. Zudem besteht das Risiko, dass Marktteilnehmer künftig darauf vertrauen, dass der Staat bei niedrigen Speicherständen ohnehin einspringt."
Dennoch bereite die Bundesregierung "die notwendigen Handlungsoptionen so vor, dass sie bei einer Verschlechterung der Lage schnell und gezielt eingesetzt werden können", so das Ministerium.
Angesichts der niedrigen Füllstände fordert auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, die Gashändler zum raschen Auffüllen der Speicher auf. Diese hätten "bisher noch nicht genug eingespeichert", sagt Müller im heute journal.
Zwar sei das eigentliche Ziel, das bei einem durchschnittlichen Füllstand von 70 Prozent liege, "inzwischen sehr ambitioniert". Mehr als 50 Prozent im Schnitt wolle man vor Beginn des Winters trotzdem erreichen, betont Müller. In den nächsten zweieinhalb Monaten müssten die Händler daher ihrer Verantwortung gegenüber Stadtwerken, Kunden und Industrie gerecht werden.
"Es wird wahrscheinlich keine Mangellage geben", ordnet ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann ein. "Dass wir frieren werden im nächsten Winter, daran glaubt zurzeit eigentlich kein Marktbeobachter." Selbst 60 Prozent Füllstand der Speicher sollten ausreichen, um den Bedarf für den nächsten Winter zu decken.
Vorausgesetzt, dieser bringe keinen "extremen Kälteschock", so Neuhann.
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