Mychajlo Fedorow: Er war Selenskyjs Verbündeter, dann sein Kritiker. Wird er auch sein Nachfolger?
Der populäre Ex-Verteidigungsminister Fedorow wendet sich mit einer Videobotschaft an die Ukrainer und fordert Wahlen.
Aber geht das mitten im Krieg? Und hat er wirklich Chancen? Da ist er, der nächste politische Gegner des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: Mychajlo Fedorow, 35 Jahre jung und Galionsfigur der jüngeren, urbanen Ukrainer.
Dabei stand eben dieser Fedorow bis zuletzt fest an Selenskyjs Seite, seit dieser 2019 in den Präsidentenpalast eingezogen war.
Bis Anfang des Jahres trieb Fedorow die Digitalisierung des Landes voran, auch unter Kriegsbedingungen noch sehr erfolgreich.
Laut einem Ranking der Vereinten Nationen liegt die Ukraine bei der Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen inzwischen auf Platz fünf , und zwar weltweit.
Der junge und erfolgreiche Fedorow genoss deshalb in breiten Kreisen der ukrainischen Bevölkerung Popularität.
Auch deshalb ernannte Selenskyj ihn im Januar zum Verteidigungsminister.
Neu im Amt, konnte Fedorow einen wichtigen Durchbruch erzielen.
Er bat Elon Musk darum, die von der russischen Armee genutzten Starlink-Terminals abzuschalten – mit Erfolg.
Für das erste Halbjahr brachte das den Ukrainern große Vorteile in ihrem Verteidigungskampf, insbesondere im Frontgebiet, wo die russische Armee auf diese Weise ihres wichtigsten Kommunikationsinstruments beraubt wurde.
Fedorow forderte mehr Transparenz in der Ukraine Fedorow versuchte über die vergangenen Monate, mehr Transparenz in die Vergabe der Milliardenaufträge zu bringen, die über sein Ministerium laufen, und arbeitete eine grundlegende Armeereform aus.
Letzteres führte zu einem schnell eskalierenden Konflikt mit Armeechef Oleksandr Syrskij.
Mit der Idee, mehr Licht in die Rüstungsaufträge zu bringen, störte Fedorow einflussreiche Figuren aus Politik und Verteidigungsindustrie.
Am Ende feuerte Selenskyj sowohl Syrskij als auch Fedorow, aber nur die Entlassung des Verteidigungsministers führte zu Protesten Tausender junger Ukrainer in mehreren Städten des Landes – die größten Demonstrationen seit Kriegsbeginn.
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