BILD-Reporter testet neues Comedy-Format - Dieses „LOL“ bringt uns nicht zum Lachen!
In unserer Familie gehört „LOL: Last One Laughing“ längst zum Abendprogramm. Meine beiden achtjährigen Töchter haben die bisherigen Staffeln vermutlich öfter gesehen als manche TV‑Kritiker. Sie führen eigene Bewertungsbögen über die Kandidaten, vergeben Punkte und diskutieren ernsthaft darüber, wer diesmal den Sieg verdient hätte. Jetzt läuft „LOL Next“ bei Amazon Prime, ist dort aktuell der beliebteste Comedy-Stream.
Zu den Favoriten des Original-„LOL“ zählen für meine Töchter Max Giermann, Martina Hill und seit Staffel sieben ganz besonders Teddy Teclebrhan. Auch bei uns Erwachsenen stehen Namen wie Kurt Krömer, Torsten Sträter, Bastian Pastewka oder Anke Engelke hoch im Kurs.
Warum das funktioniert? Weil „ LOL “ etwas Seltenes schafft: Die Show, bei der die Kandidaten um keinen Preis lachen dürfen, begeistert Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Der Humor ist meist kreativ statt platt, überraschend statt vulgär. Unvergessen bleibt für uns bis heute Heinos Auftritt in der ersten Staffel. Erst ernst, dann mit seiner piepsigen Helium-Version von „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Genau diese Mischung aus Fantasie, Improvisation und handwerklich starker Comedy macht den Erfolg des Formats aus.
Auch die jüngste Staffel überzeugte mit einem besonderen Kniff: Michael Bully Herbig wurde selbst Kandidat, während Hape Kerkeling als Horst Schlämmer die Moderation übernahm. Dazu kamen gelungene Weihnachts- und Halloween-Specials.
Entsprechend gespannt saßen wir vor „ LOL Next “. Der Ableger ist kürzer: vier Folgen mit vier Stunden Spielzeit statt sechs Folgen mit sechs Stunden. Das Grundprinzip bleibt jedoch dasselbe. Nur leider nicht die Qualität.
Wir wollten dem Ableger eine faire Chance geben. Nach rund 20 Minuten war Schluss. Und das Erstaunliche: Nicht wir Erwachsenen wollten ausschalten. Es waren unsere Töchter.
Dieselben Mädchen, die die regulären Staffeln inzwischen mehrfach gesehen haben. Ihnen fehlte schlicht der Zugang zu den Kandidaten. Viele Gesichter waren unbekannt, die Teilnehmer wurden kaum vorgestellt, stattdessen ging es direkt ins Geschehen. Auch die teils deutlich derbere Sprache einiger Kandidaten irritierte unsere Kinder.
Dabei sind Influencer nicht automatisch unlustig. Vielleicht fehlt dem Ableger aber genau das, was das Original für uns so besonders macht. „LOL“ ist bei uns längst mehr als nur eine Comedyshow. Es sind die zwei Stunden am Abend, in denen Schule, Job und die unvermeidlichen Widrigkeiten des Lebens einmal Pause haben dürfen. Ein gemeinsamer Sofamoment für die ganze Familie.
Die Kandidaten der bisherigen Staffeln brachten nicht nur Witze mit, sondern Figuren, Geschichten und Lebenserfahrung, mit denen Kinder und Erwachsene gleichermaßen etwas anfangen konnten. Und manchmal entstanden dabei Momente, die weit über die Comedy hinausgingen. Als Max Giermann am Ende der zweiten Staffel die Tränen kamen, wurde es auch auf unserem Sofa plötzlich still. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis des Erfolgs von „LOL“: Die Show bringt Generationen nicht nur gemeinsam zum Lachen, sondern schenkt ihnen für einen Moment dieselben Gefühle. Bei „LOL Next“ sprang dieser Funke bei uns leider nicht über.
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