Sturzfluten, Taifune und Erdbeben - Chinesen machen Katastrophen zum Urlaub
Was für die meisten Menschen ein Albtraum ist, wird in China zum Urlaubserlebnis. Immer mehr Reisende zahlen Geld, um Naturkatastrophen hautnah zu erleben. Das reicht von simulierten Überschwemmungen bis zu Besuchen an echten Unglücksorten. Beim sogenannten „Dark Tourism“ (dunkler Tourismus) reisen Urlauber gezielt an Orte von Katastrophen, Tod und Zerstörung. Fass mir den Artikel zusammen
In Hangzhou im Osten Chinas können Besucher auf einem 200.000 Quadratmeter großen Gelände erleben, wie sich extreme Wetterlagen anfühlen, berichtet „The Guardian“. Für umgerechnet rund 200 Euro werden die Teilnehmer in einem simulierten Taifun-Szenario von gewaltigen Wassermassen erfasst und müssen ums Überleben kämpfen. Neben Taifunen und sintflutartigen Regenfällen sollen künftig auch Erdbeben und Brände simuliert werden. Die Gründer des Unternehmens Lvxing Base planen, innerhalb der nächsten drei Jahre fünf weitere Zentren in China zu eröffnen.
Der Trend steht für einen Wandel im chinesischen Tourismus. Vor allem jüngere Urlauber zwischen 20 und 30 Jahren möchten nicht nur berühmte Sehenswürdigkeiten besuchen, sondern Orte und Situationen möglichst intensiv erleben. Neben künstlich erzeugten Katastrophen rücken deshalb auch reale Schauplätze von Tod und Zerstörung in den Fokus.
Und auch während einer Urlaubsreise könne die Beschäftigung mit belastenden Themen, also „Dark Tourism“, sinnvoll sein, erklärt die Reisepsychologin Christina Miro gegenüber TRAVELBOOK. Voraussetzung sei jedoch ein bewusster Umgang mit den eigenen Grenzen.
Im Pekinger Museum für öffentliche Sicherheit in Haidian erleben Besucher simulierte Erdbeben, Tsunamis und Brände in einem 4D-Theater mit beweglichen Plattformen und Soundeffekten. In der südchinesischen Metropole Guangzhou wurde 2025 ein fünfstöckiges Zentrum eröffnet, in dem Menschen den Umgang mit Notfällen und Katastrophen lernen können. Ein Erdbebensimulator stellt Erschütterungen nach, die einem Beben der Stärke 7,2 entsprechen. Wann Dark Tourism seelisch belastend wird
Der Hintergrund ist ernst: Extreme Wetterereignisse treten in China zunehmend häufig auf. 2025 wurde das Land von zehn Taifunen getroffen – deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt. Bereits 2024 hatten die örtlichen Behörden den Auftrag erhalten, erlebnisorientierte Katastrophenaufklärung stärker zu fördern. Sicherheitszentren, Museen und Trainingsstätten sollten Simulationen nutzen, um Menschen auf den Ernstfall vorzubereiten.
Schauplatz des „Dark Tourism“ ist auch die chinesische Provinz Sichuan. Im Mai 2008 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 8,0 die Region. Mehr als 70.000 Menschen kamen ums Leben. Die Regierung ließ die Ruinen des schwer betroffenen Ortes Beichuan als Gedenkstätte erhalten. Besucher können dort die Überreste eingestürzter Gebäude besichtigen. Im nahe des Epizentrums gelegenen Yingxiu, steht eine kaputte Uhr zwischen den Überresten einer Schule. Ihre Zeiger sind auf 14:28 Uhr stehen geblieben – den Zeitpunkt, zu dem das Erdbeben begann. Was sollte ich als Nächstes lesen?
Auch die Gedenkhalle für das Massaker von Nanjing zieht zahlreiche Besucher an. Die japanische Armee eroberte die chinesische Stadt 1937.
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