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Plastiksteuer: Experte Henning Wilts kritisiert geplante Abgabe auf Kunststoffverpackungen

Der Spiegel ·
Plastiksteuer: Experte Henning Wilts kritisiert geplante Abgabe auf Kunststoffverpackungen

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SPIEGEL: Herr Wilts, die Bundesregierung plant ab Juli 2027 eine neue Steuer für Kunststoffverpackungen. Unternehmen sollen 550 Euro pro Tonne bezahlen. Was halten Sie davon?

Wilts: Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass die Regierung handelt. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststoffverpackungen verdoppelt. So kann es nicht weitergehen.

SPIEGEL: Recycelbares Plastik ist von der Steuer ausgenommen. Zu Recht?

Wilts: Ja, das Recyceln von Plastik ist ökologisch wichtig, lohnt sich jedoch wirtschaftlich oft nicht, weil es zu kompliziert ist. Gleichzeitig ist neues Plastik deutlich günstiger. Deshalb erleben wir in Europa eine nie da gewesene Insolvenzwelle bei Unternehmen für Kunststoffrecycling. Mit der Steuer könnte recycelbares Plastik wirtschaftlich attraktiver werden.

Wilts: Wahrscheinlich die Kunden im Laden. Untersuchungen im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigen, dass Unternehmen Preiserhöhungen entsprechender Produkte meist an die Verbraucher weitergeben.

Wilts: Ich wundere mich, warum nur Kunststoff besteuert wird und die Bundesregierung andere Verpackungsmaterialien gar nicht berücksichtigt. Infolge der Steuer werden Hersteller künftig vermehrt auf Pappe, Papier oder Karton ausweichen.

Wilts: Nicht unbedingt. Stellen Sie sich nur einen Wald in Südamerika vor, der für Papier abgeholzt werden muss. Die Regierung hätte sich nicht auf Plastik festlegen dürfen. Ein System, das grundsätzlich recycelfähige Verpackungen ökonomisch belohnt, wäre aus meiner Sicht deutlich sinnvoller. Italien und Frankreich machen das seit Jahren so.

Wilts: Im Gesetzentwurf steht, dass Verpackungen, die über fünf Prozent Plastik beinhalten, besteuert werden sollen. Wer soll den genauen Prozentgehalt überprüfen? Hinzu kommt, dass es sich um eine nationale Steuer handelt. Wenn in der EU am Ende 27 unterschiedliche Plastiksteuern existieren, wäre das ein gigantischer Aufwand für Unternehmen, die in der Regel auf allen EU-Märkten vertreten sind.

Wilts: Ein Uno-Plastikvertrag, wie er in der Vergangenheit bereits diskutiert wurde, wäre für mich die Ideallösung: Er würde die Kunststoffindustrie weltweit dazu verpflichten, sich an den Kosten von internationaler Plastikverschmutzung zu beteiligen. Das Geld könnte dann gezielt in Recyclinginfrastrukturen im Globalen Süden fließen. Der ist am stärksten davon betroffen. In Deutschland wird die geplante nationale Steuer wahrscheinlich nur Haushaltslöcher stopfen, das finde ich schade.

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