Wie günstiger Wohnungsbau gelingen kann
Schneller planen, einfacher bauen, weniger Kosten: Ein Hamburger Pilotprojekt zeigt, wie neue Wohnungen günstiger entstehen können - und was das für die Mieten bedeutet.
Auf der Baustelle "Morellenquartier" in Hamburg-Marienthal geht es ungewöhnlich schnell: Die Baugenehmigung war nach vier Monaten da, und rechnerisch wird jeden Tag eine Wohnung fertig. Anfang des Jahres war Baubeginn, jetzt ist schon Richtfest für das Projekt mit 90 Wohnungen. Das Hamburger Pilotprojekt soll zeigen, wie sich neue Mietwohnungen einfacher, schneller und günstiger bauen lassen - nach dem sogenannten Hamburg-Standard. Architekt Kilian Jonak erklärt:
Der Hamburg-Standard setzt an mehreren Punkten an: Von Beginn an arbeiten Architekt, Baufirma und Behörden eng zusammen. So gelingen schnellere Genehmigungen. Und auf kostspielige Anforderungen, die für die Nutzung nicht zwingend nötig sind, wird verzichtet, auch wenn die Industrie das zur "Norm" erklärt hat. Die Stadt Hamburg hält dadurch Einsparungen von bis zu 2.000 Euro brutto je Quadratmeter Wohnfläche für möglich.
Dirk Hinzpeter von der Hansa Baugenossenschaft sagt: "Im Morellenquartier sind wir bei 3.650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei vergleichbaren Wohnprojekten in Hamburg waren es fünf- bis sechstausend Euro pro Quadratmeter." Das findet er bemerkenswert, denn zur Zeit steigen die Baupreise rasant.
Gespart wird unter anderem bei der Ausstattung: Es gibt weniger Aufzüge, kaum Parkplätze und keine Keller. Abstellflächen entstehen stattdessen unter einem Schrägdach - das ist kostengünstiger zu bauen als ein Flachdach. Auch Standards wie die Zahl der Steckdosen oder die Stärke von Wänden werden gesenkt. Innerhalb der Wohnung ist es hellhöriger, aber dafür ist es günstiger.
Ein zentraler Kostenfaktor sei aber das Tempo, meint der Bauherr und die Baufirma. Pro Woche wird ein Geschoss fertiggestellt. Dazu tragen komplett vorgefertigte Bäder bei: "Bevor die Geschoss-Decke draufkommt, werden diese Bäder eingehoben" sagt Christian Bleschke vom Bauunternehmen Otto Wulff und klopft auf Blechcontainer mitten in der Wohnung.
"Der Vorteil: man hat den ganzen Dreck mit den vielen einzelnen Gewerken nicht mehr. Das Bad ist wirklich fertig." Keine Wartezeiten, bis der Estrich trocken ist, oder die Fliesen fest. Das Bad muss nur noch angestöpselt werden und der Container wird verkleidet. 90 mal das gleiche Bad verbaut Otto Wulff im Morellenquartier - das serielle Bauen sei die Zukunft, meint Projektleiter Bleschke.
Ein bewegliches "Cabrio-Dach" schützt die gesamte Baustelle zudem vor Regen und Verzögerungen, und ermöglicht das Einheben von Fertigteilen.
Die Stadt fördert das Vorhaben. Deshalb ist die Genossenschaft daran gebunden, die Ersparnis durch den geringeren Baustandard an die Mieter weiter zu geben. Im Morellenquartier sollen die Mieten bei knapp acht Euro pro Quadratmeter beginnen.
"Standards müssen runter", sagt Hinzpeter. "da müssen wir mutiger werden! Das wird von unseren Mietern akzeptiert werden", meint er, denn günstigere Mieten wollen alle. Auch ohne Stadtförderung will die Genossenschaft mehr nach Hamburg-Standard bauen. Das Morellenquartier zeigt, dass sich Baukosten senken lassen.
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