Landtagswahlen mit Putsch-Potenzial
Die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind vor allem für die CDU eine Zitterpartie. Sie haben das Potenzial, die extrem nervöse Partei auseinanderzureißen.
Linksrutsch - Rechtsruck, so steht es seit Wochen an den entsprechenden Ecken des Konrad-Adenauer-Hauses. In der Mitte bittet Stefan Evers, Spitzenkandidat der CDU in der Hauptstadt: "Berlin, bleib stabil".
Ob aber die CDU stabil bleibt und für wie lange, das ist die Frage, die sich an diesem Wahlsonntag weit über die Hauptstadt hinaus stellt.
Die CDU gewinnt in Berlin und bleibt in Mecklenburg-Vorpommern stabil über der Fünf-Prozent-Marke. Dann sollte eine Art Entspannung eintreten im Konrad-Adenauer-Haus, wo sich das CDU-Präsidium am Sonntag ab 17 Uhr versammelt. Der Brief, den die acht CDU-Ministerpräsidenten vergangene Woche zur Unterstützung von Kanzler Friedrich Merz verfasst haben, bliebe dann wohl gültig, die Lage könnte sich beruhigen, und die wieder in den Vordergrund tretende Frage wäre: wie weiter mit den Reformen?
Die Linke ist in Berlin stärker als die CDU. Berlin wird von einer Linken regiert, die CDU bleibt im Schweriner Landtag. Nicht schön für die Partei Konrad Adenauers, aber noch verkraftbar.
Stefan Evers gewinnt Berlin - dann ist übrigens immer noch unklar, ob er eine Regierung bilden kann, denn besonders die Grünen würden lieber mit der Linken koalieren. In Schwerin fliegt die CDU zum ersten Mal aus einem Landtag. Eine historische Niederlage, die der einst großen Volkspartei ihren Abwärtstrend besonders gnadenlos vor Augen führen würde. Reaktionen? Ungewiss.
Die CDU verliert in Berlin und fliegt in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag. Ein Albtraum für die Konservativen. Für diese Konstellation wagt kaum jemand eine Prognose. Haben die CDU-Granden und die Partei über die vergangenen Wochen der Kanzlerdiskussionen ausreichend viel vom Abgrund gesehen, um jetzt ruhig zu bleiben? Hat die Partei sich damit abgefunden, dass der Kanzler nun mal auf vier Jahre gewählt ist und der nächste Hoffnungsträger in der aktuellen Lage schnell verschlissen wäre?
Oder ist der Unmut an der Basis (laut letztem ZDF-Politbarometer stehen nur 25 Prozent der CDU-Anhänger hinter ihrem Kanzler) so groß, dass es Friedrich Merz ergeht wie Jens Spahn, der auch von einer Revolte der Basis innerhalb von Tagen hinweggefegt wurde? Tritt er vom Parteivorsitz zurück und macht so mittelfristig den Weg frei für einen Nachfolger? Oder gibt es doch noch mal einen Putsch von Markus Söder oder Hendrik Wüst, um ihn als Kanzler zu stürzen?
Wenn die CDU-Führung ein wenig Disziplin zeigt, wird sich nichts davon gleich am Sonntag entschieden. Am Montag gibt es die übliche Pressekonferenz des Bundeskanzlers und am Dienstag traut er sich in die Unionsfraktion im Bundestag . Eine Reise zur UN-Generalvollversammlung in New York hat er dafür extra abgesagt, es gilt, die Abgeordneten auf seiner Seite zu halten - oder besser: dorthin zurückzuziehen.
Friedrich Merz könnte dort mit einem Satz auftreten, den Harald Schmidt ihm in den Mund gelegt hat: "Ihr könnt froh sein, dass ich den Job mache.
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