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So fordert die Verleihung des Literaturnobelpreises die Buchbranche

Tagesschau (ARD) ·
So fordert die Verleihung des Literaturnobelpreises die Buchbranche

Hohe Nachfrage für Preisträger So fordert der Nobelpreis-Effekt die Buchbranche Stand: 09.10.2026 • 13:37 Uhr

Ist der Literaturnobelpreis verliehen, steigt die Nachfrage nach den Büchern. Der sogenannte Nobelpreis-Effekt stellt Buchhandlungen regelmäßig vor Herausforderungen. Doch nicht alle Preisträger profitieren gleich viel.

Wer in der Berliner Buchhandlung Dussmann kurz nach Bekanntgabe des Literaturnobelpreises auf der Suche nach Werken der soeben ausgezeichneten Kanadierin Anne Carson ist, sollte gut Englisch beherrschen. Bücher wie "Eros the Bittersweet" oder "Autobiography of Red" seien nur im Original vorrätig, berichtet Gibran Syed, Floormanager für Moderne Literatur bei Dussmann.

Die deutschen Übersetzungen seien in Kürze wieder lieferbar, größere Mengen aller lieferbaren Titel seien bestellt. Bis dahin könne man auf E-Books zurückgreifen, so Syed. Weil aber gerade bundesweit Buchhandlungen versuchen, schnell an die knappen Exemplare zu kommen, sei nicht klar, ab wann der Preisträgertisch am Eingang mit deutschen Fassungen von Anne Carson bestückt werden könne.

Buchhandel und Verlage können sich kaum auf den Nobelpreis für Literatur vorbereiten. Die Schwedische Akademie hält die Favoritenliste streng geheim. Immer wieder gibt es Überraschungen bei den Literaturnobelpreisträgern. Die Übersetzungen der Bücher sind nicht zwangsläufig vorrätig. Im Jahr 2021 etwa, als der damals im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannte Autor Abdulrazak Gurnah ausgezeichnet wurde, war keines seiner Werke auf Deutsch zu haben. Das ist in diesem Jahr anders.

Wer Anne Carson einmal live erlebt hat, weiß: Ihre Auftritte sind ein Ereignis. mehr

Die Auszeichnung ist gerade für kleinere Verlage eine Herausforderung. Andreas Rötzer vom Verlag Matthes & Seitz, in dem insgesamt vier Bücher der diesjährigen Preisträgerin Anne Carson erschienen sind, stellt sich auf viel Arbeit ein: "Wir überlegen jetzt, wie viel man nachdruckt und welche Bücher wir nachdrucken. Den Fall hatte ich selbst noch nicht."

Erfahrung auf diesem Feld hat Thedel von Wallmoden. Der Gründer des Wallsteinverlags hat ebenfalls ein Buch von Carson im Programm. Im Jahr 2009 bekam mit Herta Müller schon mal eine seiner Autorinnen den Nobelpreis. Neben dem damals aktuellen Buch "Atemschaukel" hätten sich auch frühere Werke von ihr "in fünfstelligen Auflagen-Größenordnungen" verkauft.

Das Interesse an Werken von Nobelpreisträgern und -trägerinnen ist generell groß. In den ersten vier Wochen nach der Auszeichnung wurden im vergangenen Jahr die Bücher des Gewinners Laszl Krasznahorkai knapp 400-mal häufiger verkauft als in den zwölf Wochen zuvor. Das zeigt eine Auswertung des Marktforschungsunternehmens Media Control im Auftrag des RBB. Die rasant gestiegene Nachfrage betraf nicht nur sein jüngstes Werk, sondern auch ältere Titel.

Das ist ein Unterschied zum ebenfalls diese Woche verliehenen Deutschen Buchpreis , bei dem es um ein einzelnes aktuelles Buch geht und weniger ums Gesamtwerk.

Auch ein Jahr später werden die Bücher von Laszlo Krasznahorkai laut Media Control pro Woche noch 16-mal häufiger verkauft als vor der Auszeichnung.

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