Kinder- und Jugendgesundheit: Deutlich mehr ADHS-Neudiagnosen bei Kindern im Norden
Warum bleibt ADHS besonders bei Mädchen oft lange unerkannt? Experten betonen die Bedeutung früher Diagnosen und warnen vor möglichen Folgeproblemen bei fehlender Behandlung.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Schleswig-Holstein mit einer ADHS-Neudiagnose ist stark gestiegen.
Im Vergleich zum Vorjahr betrug der Anstieg 2024 rund 24 Prozent, wie die Krankenkasse DAK-Gesundheit mitteilte.
Hochgerechnet wurde demnach landesweit bei rund 7.200 jungen Menschen erstmals eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, also ADHS diagnostiziert.
Besonders auffällig ist nach DAK -Angaben die Geschlechterverteilung: Jungen bekommen mehr als doppelt so häufig eine Erstdiagnose wie Mädchen.
Gleichzeitig stiegen die Neudiagnosen bei Mädchen mit einem Zuwachs von 32 Prozent aber stärker an als bei Jungen, wo es einen Zuwachs von 21 Prozent gab.
Bei ADHS handelt es sich um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung, bei der sowohl die Genetik als auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen.
Die DAK-Daten zeigen, dass in Schleswig-Holstein 4,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren 2024 mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt wurden.
DAK-Landeschef fordert gute Koordination der Beteiligten „Wir brauchen ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller, die Kinder begleiten und versorgen“, forderte DAK-Landeschef Cord-Eric Lubinski.
Nur so könnten Betroffene früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigten.
Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftler Abrechnungsdaten von rund 45.600 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Schleswig-Holstein versichert sind.
Experte: Frühzeitige Diagnostik von großer Bedeutung Eine frühzeitige Diagnostik ist aus Sicht des Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Manuel Munz, nötig - er ist Chefarzt am Zentrum für Integrative Psychiatrie in Kiel.
Bei lange unerkannten und unbehandelten Aufmerksamkeitsstörungen könnten sich erhebliche Folgeprobleme entwickeln - etwa Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Verhaltensstörungen, schulisches Scheitern oder Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen. „Gerade bei Mädchen kann eine ADHS lange unerkannt bleiben und sich hinter anderen psychischen Symptomen und Bewältigungsstrategien verbergen.“ Das könnten Essstörungssymptome, Ängste oder zwanghafte Verhaltensweisen sein.
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