Gehaltscheck: Nicht jeder Dax-Chef verdient sein Gehalt
Als Chef eines Dax-Konzerns hat man viele Privilegien: Eine außerordentlich gute Bezahlung gehört dazu. Anders als in Unternehmen, die nicht an der Börse notieren, sind die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden allerdings öffentlich. Was regelmäßig zu Diskussionen führt, ob die Millionenzahlungen angemessen sind, die jeder Dax-Chef für seine Arbeit erhält.
Wie leicht wäre es da, in Polemik zu verfallen, was in der öffentlichen Debatte immer wieder geschieht. Das „Aktionaersforum“ – eine Plattform, die sich für bessere Finanzkommunikation und moderne Unternehmensführung (Corporate Governance) einsetzt – wählt bewusst einen anderen Weg. Nicht dass Geschäftsführer Arno Balzer mit den Managern und ihren Gehältern weniger hart ins Gericht gehen würde. Im Gegenteil: „Bei einigen Unternehmen lässt sich die Entwicklung der Vorstandsvergütung nur schwer mit dem für Aktionäre geschaffenen Mehrwert in Einklang bringen“, sagt Balzer. Aber er leitet solche Aussagen nicht aus einem Bauchgefühl ab, sondern aus einem nüchternen Blick auf die Zahlen.
In einer Auswertung, die der Sonntagszeitung vorliegt, hat sich das „Aktionaersforum“ die Vergütungen der Spitzenmanager genauer angeschaut. Als Grundlage dienen hierbei die Gehaltszahlungen des Jahres 2025, weil nur für dieses Jahr die Vergütungsberichte bereits vollständig vorliegen. Sie halten einige unliebsame Überraschungen für Aktionäre bereit, findet das Forum.
Die erste Überraschung klingt schon in Balzers Aussage an, Vergütung und Mehrwert ließen sich manchmal nicht in Einklang bringen. Konkret macht er dies daran fest, dass er die Aktienkursentwicklung des jeweiligen Konzerns mit dem Gehaltsplus vergleicht, dass die Vorstände erzielen konnten. Dabei gibt es einige gravierende Diskrepanzen.
Sehr deutlich sticht dies beispielsweise im Falle von Timotheus Höttges ins Auge, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom. Höttges konnte seine Vergütung 2025 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf rund 11,6 Millionen Euro steigern. Diesem Zuwachs von 23 Prozent steht beim Aktienkurs der Telekom ein Minus von vier Prozent im Jahr 2025 entgegen – und das in einem insgesamt sehr guten Börsenjahr, in dem der Dax mehr als zwanzig Prozent zulegte. Glücklich können die Telekom-Aktionäre mit dieser Entwicklung nicht sein.
Nun mag es nicht ganz fair sein, nur ein einzelnes Jahr für den Vergleich heranzuziehen. Aber ein erster Hinweis auf eine mögliche Fehlentwicklung kann sich daraus schon ergeben. Noch weiter als bei der Telekom fallen Aktienkurs und Vorstandsgehalt bei einem Dax-Konzern jüngeren Datums auseinander, der Immobilienplattform Scout 24. Vorstandschef Ralf Weitz konnte seine Vergütung 2025 nahezu verdreifachen auf rund 4,3 Millionen Euro. Diesem Plus in Höhe von fast 190 Prozent steht ein mickriger Zugewinn im Aktienkurs von gerade einmal einem Prozent gegenüber. Bei keinem anderen Dax-Vorstandschef ist die Diskrepanz zwischen Gehalts- und Kursentwicklung so ausgeprägt.
Es gibt allerdings auch positive Fälle, die man nicht verschweigen sollte.
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