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Experten erklären - Was Eltern über Neurodivergenz wissen sollten

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Experten erklären - Was Eltern über Neurodivergenz wissen sollten

Kann mein Kind nicht stillsitzen, bekommt wegen Kleinigkeiten Wutanfälle oder interessiert sich tagelang nur für ein einziges Thema? Solche Verhaltensweisen verunsichern viele Eltern. Doch Kinder- und Jugendpsychiater warnen davor, daraus vorschnell auf ADHS, Autismus oder eine andere Form der sogenannten Neurodivergenz zu schließen.

Der Begriff Neurodivergenz beschreibt Menschen, deren Denken, Wahrnehmung oder Verhalten von dem abweicht, was als neurotypisch gilt. Dabei handelt es sich laut Fachleuten allerdings nicht um einen medizinischen Diagnosebegriff. Prof. Eva Möhler , Direktorin der Klinik für Kinder - und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum des Saarlandes, erklärt, dass der Begriff aus einer gesellschaftlichen Bewegung stammt. Diese sieht nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch Stärken. Menschen mit ADHS können etwa kreativ und begeisterungsfähig sein, Menschen mit Autismus häufig besonders genau und zuverlässig.

Entscheidend ist laut Experten immer das Gesamtbild. Nicht jedes zappelige, impulsive oder zurückgezogene Kind hat automatisch eine Entwicklungsstörung. Wichtige Fragen sind: Seit wann zeigt das Kind das Verhalten? Wie häufig tritt es auf? Und wie stark ausgeprägt ist es?

Starke Impulsivität, dauerhafte Konzentrationsprobleme und ausgeprägte Unruhe können Hinweise auf ADHS sein. Bei Autismus stehen häufig Schwierigkeiten im sozialen Miteinander, intensive Spezialinteressen oder wiederkehrende Verhaltensweisen im Vordergrund. Beim Tourette-Syndrom fallen motorische oder vokale Tics auf.

Entscheidend ist vor allem, wie es dem Kind mit seinen Besonderheiten geht. „Solange ein Kind nicht unter seinem Verhalten leidet und dadurch im Alltag nicht beeinträchtigt wird, ist nicht jede Besonderheit automatisch krankhaft“, sagt Prof. Michael Kölch , Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Auffälliges Verhalten kann zudem viele Ursachen haben. Müdigkeit, Hunger, Überforderung, Schmerzen oder Krankheiten können Kinder vorübergehend unruhig oder impulsiv machen. Auch viel Bildschirmzeit kann Aufmerksamkeit, Schlaf und Bewegung beeinflussen. Einen überzeugenden Nachweis dafür, dass Medienkonsum Autismus verursacht, gibt es nach aktuellem Forschungsstand jedoch nicht.

Werden die Schwierigkeiten stärker oder halten sie länger an? Schränken sie den Alltag ein? Dann sollten Eltern fachlichen Rat einholen. Erste Anlaufstelle ist meist der Kinder- und Jugendarzt.

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