Neue RKI-Daten zur Grippe-Impfung - Neun von zehn Risiko-Kindern sind nicht geschützt
Die Empfehlung gibt es seit mehr als 30 Jahren. Angekommen ist sie offenbar nie: Nur rund zehn Prozent der Kinder mit chronischen Erkrankungen werden in Deutschland gegen Grippe geimpft. Das zeigen neue Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI).
Es ist die erste bundesweite Auswertung dieser Art. Das RKI wertete Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen über elf Grippe-Saisons aus, von 2014/15 bis 2024/25. Das Ergebnis ist über all die Jahre konstant – und konstant niedrig.
In der Saison 2024/25 lag die Impfquote bei rund zehn Prozent, in allen Altersgruppen ähnlich. Nur während der Corona-Pandemie stieg sie kurz auf 24 Prozent, danach fiel sie zurück.
Betroffen ist eine vergleichsweise große Gruppe. Das RKI schätzt die Risiko-Population auf rund 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche. Bleibt alles wie bisher, hätten in der kommenden Saison 2026/27 etwa 1,1 Millionen von ihnen keinen Impfschutz.
Wer ist gemeint? Kinder mit Asthma oder anderen chronischen Lungenerkrankungen . Kinder mit Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen. Kinder mit Diabetes, mit starkem Übergewicht, mit chronischen neurologischen Erkrankungen, mit angeborener oder erworbener Immunschwäche, mit HIV.
Warum das gefährlich ist, zeigt der Blick in die Kliniken. Unter den Kindern, die wegen einer Grippe im Krankenhaus behandelt wurden, hatten im Schnitt 17 Prozent mindestens einen Risikofaktor. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil bei knapp neun Prozent. Risiko-Kinder sind unter den Klinikfällen also deutlich überrepräsentiert.
Daten aus dem Ausland stützen das. In Kanada war die Zahl der Grippe-Klinikeinweisungen bei Kindern mit Grunderkrankungen fünf- bis zehnmal höher als bei gesunden Kindern. In Norwegen war das Risiko sechs- bis siebenfach erhöht.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat deshalb eine deutliche Stellungnahme veröffentlicht. Sie empfiehlt „eindringlich“, der bestehenden Empfehlung endlich nachzukommen und Risiko-Kinder rechtzeitig impfen zu lassen. Die verfügbaren Impfstoffe seien sicher und insgesamt gut wirksam, auch wenn die Wirksamkeit je nach Saison schwanke.
Und womöglich kommt bald mehr: Die STIKO prüft derzeit erneut, ob die Grippe-Impfung künftig allen Kindern und Jugendlichen empfohlen werden soll – unabhängig von Vorerkrankungen. Entschieden ist das noch nicht.
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