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Männer und Frauen: Schräge Rollenbilder schaden allen

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Männer und Frauen: Schräge Rollenbilder schaden allen

In der Schule überflügeln viele Mädchen die Jungen. Mehr junge Frauen als Männer schaffen das Abitur , auch an den Hochschulen stellen sie mehr Zielstrebigkeit unter Beweis. Umgekehrt gehen mehr junge Männer schon nach der neunten Klasse mit einem niedrigen Abschluss von der Schule ab, auch der Anteil junger Männer ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist zu hoch. Daraus ergeben sich mindestens zwei drängende Fragen: Warum hinken viele Jungen so hinterher? Und wie kann es sein, dass sich der Bildungsvorsprung für viele Frauen im Berufsleben später nicht auszahlt?

Frauen verdienen statistisch betrachtet immer noch weniger als Männer, im vergangenen Jahr war ihr Stundenlohn durchschnittlich um 16 Prozent geringer. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten, um für die Familie da zu sein. Selbst wenn Frauen eine ähnliche Qualifikation wie ihre männlichen Konkurrenten haben und ihre Tätigkeit und ihre Erwerbsbiographie vergleichbar sind, verdienen sie durchschnittlich sechs Prozent weniger je Stunde. Immer noch sind sie seltener in Spitzenpositionen als Männer. Nur ein Viertel der Dax-Vorstände ist weiblich.

Ein Grund für diese Schieflage ist in Rollenerwartungen zu suchen, die von manchen immer noch an Frauen herangetragen werden und die eben nicht zum Erfolg führen. Da geht es dann beispielsweise um Kompromissbereitschaft und Zurückhaltung. Dasselbe gilt für das spiegelbildliche Problem in der Schulzeit, in der viele Jungen das Nachsehen haben: Es ist sozial riskant für sie, strebsam und fleißig zu sein. Ehrgeiz ist oft für den Sport reserviert, immerhin.

Es ist eine gesellschaftliche Daueraufgabe, sich von schrägen Rollenbildern und unfairen Spielregeln zu verabschieden. Mit selbst formulierten Klassenregeln in der Welt der Kinder und Unternehmensleitbildern in jener der Erwachsenen ist das allein nicht getan. In Kindheit und Jugend sind Eltern und Pädagogen gefragt, im Arbeitsleben Kollegen und Führungspersonal. Und jede und jeder selbst.

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