Peinlicher Eltern-Moment - „Mama, war der lauter als deine Pupse?“
Gäbe es im Freundes- oder Kollegenkreis einen Wettbewerb, wer am schambefreitesten ist, würde ich sagen: „Ich habe definitiv einen Platz auf dem Treppchen sicher.“ Es gibt nicht viele Dinge, die mir unangenehm sind. Nur meine Kinder schaffen es mit einer bemerkenswerten Regelmäßigkeit, Situationen zu schaffen, in denen ich mir nicht nur wünsche, unsichtbar zu sein, sondern in denen ich am liebsten das Land verlassen würde.
So geschehen letzte Woche: Wir fahren Glas-Aufzug im Berliner KaDeWe. Die Kleine (4) lässt einen kolossal lauten Furz der Kategorie „Flugzeug durchbricht Schallmauer“. „Zum Glück riecht er nicht“, denke ich noch, als ein älteres Ehepaar zusteigt. Denn es ist in solchen Situationen wie bei einer Polizeikontrolle: Man fühlt sich sofort unter Verdacht – bei völliger Unschuld.
Ich hatte allerdings nicht mit dem Bedürfnis meines Kindes gerechnet, die eben getätigte Körperäußerung in ausgeprägter Tiefe mit mir analysieren zu wollen. „Mama, war der lauter als deine Pupse? Kann ich besser pupsen als du? Ja, Mama, oder? Mamaaa?“ Unterdrücktes Grinsen bei den Zugestiegenen. „Ja, du kannst das viel besser als ich“, nuschele ich, um schnell Luft aus der Debatte zu nehmen. „Dafür stinken deine so krass“, fühlt sich nun die Große (8) bemüßigt, mir dann doch noch Credits für meine Begabungen zu geben, und fügt ihr neues Schulhof-Lieblingswort an: „Echt gottlos, Mama.“ Ehre, wem Ehre gebührt, aber ich hätte mir in diesem Moment nicht nur göttlichen Beistand gewünscht, sondern einen schnelleren Aufzug. Die Sekunden bis zur Food-Abteilung kamen mir unendlich vor. Oben angekommen, hieve ich die beiden Furzologinnen schnell gen Käsetheke. Um dort erneut auf das Ehe paar aus dem Aufzug zu treffen. Ich bin mir sicher, die Zwei werden meinen Erwerb eines „kräftigen Fricalin“ und die Nachfrage meiner Kleinen, ob das auch ein „richtig doller Stinkekäse“ sei, unter verschiedenen Gesichtspunkten aufgenommen haben.
Falls Sie Eltern sind, kennen Sie solche Momente, oder? Dann wird Ihnen auch folgende Urlaub sszene ein „Du bist nicht allein unter den Gedemütigten“-Gefühl geben:
Hinflug nach Kreta. Alle Kinder angeschnallt. Kuscheltiere verteilt. Getränke organisiert. Stifte griffbereit. Der seltene Moment, in dem man glaubt, kurz alles im Griff zu haben.
Da schreit meine Große plötzlich panisch durch die Kabine: „Mama! Wo ist mein Geldkoffer???“
Sofort drehten sich sämtliche Köpfe in den umliegenden Reihen um. Und ich hatte das Gefühl, aus der deutschen Durchschnittsmutter wurde gerade die Ehefrau eines Oligarchen oder Drogenbosses auf der Flucht.
Danke an dieser Stelle an Oma und Opa für dieses pädagogisch außerordentlich wertvolle Geschenk: einen kleinen Plastikkoffer mit Schokoladen-Euroscheinen als Proviant für die Reise . Falls ihr das lest: Andere Großeltern schenken Pixi-Bücher oder ein Kuscheltier. Das wäre eine Option gewesen.
Die Kinder fanden das Geschenk natürlich großartig und ließen es schon die gesamte Fahrt zum Flughafen nicht mehr aus den Augen, als läge darin das Familienvermögen der Quandts.
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