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Auf 0:7 folgt 11:0: Eintracht Frankfurt ist ein fragiles Gebilde

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Auf 0:7 folgt 11:0: Eintracht Frankfurt ist ein fragiles Gebilde

Vorsicht! Wer eindeutige Aussagen zum Zustand der Frankfurter Eintracht erwartet und eine klare Prognose zu den Erfolgsaussichten für die kommende Bundesligasaison, bitte nicht weiterlesen, das Bild kann nicht in Schwarz und Weiß gezeichnet werden. Schon die letzten Resultate lassen den Versuch scheitern: Dem 0:7 gegen den Premierklub Brentford folgte am Freitag ein 11:0 gegen den Oberligaverein St. Tönis im Pokal – was sagt uns das? Es bedarf der Grautöne.

Selbst das 11:0 hat seine zwei Seiten, dem Rekordresultat von 10:0 zur Pause folgte nur noch ein Treffer. Eine Petitesse, die nicht schmälern soll, wie gut das Pokalspiel den Eintracht-Profis getan hat. Aber sie belegt, wie schmal der Grat ist, auf dem die Frankfurter Spieler wandeln, nachdem sie durch den Verlauf der vergangenen Spielzeit und dem 0:7 aus dem Gleichgewicht geraten sind. Die Eintracht ist keine gefestigte, selbstbewusste spielerische Einheit, sondern jederzeit absturzgefährdet.

Trainer Adi Hütter hat in der Vorbereitung seriös gearbeitet. Wie die Frankfurter die Amateure von St. Tönis in der ersten Halbzeit mit ihrem Pressing erdrückten und ihre Abwehrkette nach Ballgewinn auseinandernahmen, trägt seine Handschrift. Aber wie das Erarbeitete gegen erstklassige Gegner umsetzbar ist, muss sich noch zeigen. Vor allem wenn nicht die ersten beiden Eckbälle zu einer 2:0-Führung veredelt werden und sich Widerstände auf dem Spielfeld auftun.

Weil das Gebilde so fragil ist, sollte eine Personalentscheidung absolute Priorität haben: die Verpflichtung des Freiburger Torwarts Noah Atubolu. Michael Zetterer bietet als eine solide Nummer zwei nicht den nötigen Rückhalt, wenn er spielen sollte, und Kauã Santos als aus der Fassung geratenes Weltklassetalent schon gar nicht.

Bis zum Ende der Transferperiode am 1. September stehen weitere wichtige Personalien an, manche zeichnen sich schon ab, andere nicht. Wie soll eine seriöse Chancenbewertung der Eintracht erfolgen, solange nicht feststeht, wer die Eintracht noch verlässt, welcher Stürmer und welcher Innenverteidiger noch geholt werden, oder ob noch ein Außenverteidiger dazukommt?

Eine kleine Beruhigungspille für alle Fans: Die Bundesliga ist in dieser Saison so schwach wie lange nicht. Mit den Zwergen-Aufsteigern Elversberg und Paderborn, mit dem HSV, dem die besten Spieler abhandengekommen sind, mit den Traditionsklubs Köln und Schalke in ihrem Kampf zwischen dem Anspruch der Fans und der wirtschaftlichen Wirklichkeit sowie den Mittelklasseklubs Gladbach und Bremen, denen das Geld zu fehlen scheint, um ihre verdienten Spieler zu halten.

Viel schlechter als Rang zehn kann es für die Eintracht nicht kommen, wenn eine destruktive Atmosphäre vermieden wird. Das sollte gelingen, der Trainer heißt nicht mehr Riera, sondern Hütter.

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