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Chrupalla und Weidel: Geschwurbel und Gehetze zur besten Sendezeit

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Chrupalla und Weidel: Geschwurbel und Gehetze zur besten Sendezeit

Viele Strategien haben die Medien im Umgang mit der AfD ausprobiert. Wenn man Parteivertreter nicht in die Talkshows einlädt, jammern sie über die vermeintliche Zensur der „Systempresse“. Wenn man sie mit ihren extremistischen Äußerungen konfrontiert, gehen sie zum Gegenangriff über und beklagen die vermeintliche Voreingenommenheit des linksgrünen journalistischen Establishments. Die neueste Taktik: Man behandelt die AfD, als wäre sie eine ganz normale Partei.

Funktioniert hat keine dieser Strategien. Im Gegenteil ist die AfD, begleitet von einem jahrelangen Zickzackkurs der Medien, immer stärker geworden und hat nun gute Chancen, die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt zu erringen. Dabei ist sich die Partei stets treu geblieben: Ressentiments gegen Minderheiten schüren, politische Gegner verächtlich machen, den Diskurs vergiften und das System von innen heraus aushöhlen. Keine Ausnahme machten da die Sommerinterviews genau zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei denen die AfD-Bundesvorsitzenden in ARD und ZDF zur besten Sendezeit siegesgewiss und süffisant in die Kamera lächeln durften – bei jenem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den die AfD in seiner jetzigen Form abschaffen und durch einen „Grundfunk“ ersetzen will.

Den Anfang machte Tino Chrupalla bei der ARD. Die Fragen von Markus Preiß, Leiter des Hauptstadtstudios in Berlin, brachten ihn kaum aus der Fassung. Der Klimawandel? Ach wo, das war doch ein „ganz normaler Sommer“, man wolle nur „von den wirklichen Problemen in Deutschland ablenken“. Die Verquickungen von AfD-Funktionären in Sachsen-Anhalt mit der „Heimattreuen Deutschen Jugend“? Alles nur „Jugendsünden“ und „aus dem Kontext gerissen“, jeder habe eine zweite Chance verdient, Joschka Fischer sei ja auch „im Extremismus beheimatet“ gewesen. Und die unbelegten Behauptungen von Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, bei der Briefwahl in Pflegeheimen gehe es nicht mit rechten Dingen zu? Er könne Beispiele nennen, werde das aber nicht tun, schwurbelte Chrupalla in bester Donald-Trump-Manier. Für den Fall, dass die AfD die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt verfehlt und niemand mit ihr reden will, ist also schon mal vorgesorgt.

Aber schlimmer geht immer. Im Rückblick betrachtet konnte man fast nachsichtig mit Chrupallas Geschwurbel sein, das immerhin noch halbwegs den Anschein machte, auf Preiß‘ Fragen zu antworten. Vielleicht hatte man sich vorher überlegt, es sei eine gute Idee, good cop und bad cop zu spielen. Die AfD-Ko-Vorsitzende Alice Weidel jedenfalls, die nach Chrupalla im ZDF ihre Bühne bekam, warf den impliziten Kompromiss der Interviewsituation – Fragen beantworten gegen Reichweite – einmal mehr komplett über den Haufen: Die Reichweite nahm sie mit, aber der Fragensteller Wulf Schmiese wurde zum Stichwortgeber degradiert.

Vor den Aktivisten des „Zentrums für politische Schönheit“, die das Sommerinterview im vergangenen Jahr gestört hatten, war man diesmal sicher. Der ZDF-Moderator begrüßte Weidel über den Dächern von Wien, wo sie sich zu Gesprächen mit der FPÖ aufhielt, und nach einer kurzen Begrüßung verzog man sich nach drinnen. Spätestens dort eskalierte das Gespräch.

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