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Zum Büro radeln ist besserer Demenzschutz als Arbeit am Bau

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Zum Büro radeln ist besserer Demenzschutz als Arbeit am Bau

Wer den ganzen Tag auf dem Bau steht, Pakete ausliefert oder Patienten umlagert, hat abends zwischen 12.000 und 20.000 Schritte auf der Uhr. Die naheliegende Annahme lautet: Diese Menschen haben ihr Bewegungspensum erfüllt und schützen damit auch ihr Gehirn.

Eine neue Auswertung im Fachjournal „ The Lancet Public Health “ widerspricht dieser Annahme deutlich. Sie fasst 74 Studien mit 4.227.297 Teilnehmenden aus 30 Ländern zusammen und trennt dabei etwas, das die Forschung lange in einen Topf geworfen hat: Bewegung in der Freizeit und Bewegung im Beruf.

Das Forschungsteam um Natan Feter und David Raichlen von der University of Southern California ordnete jede Aktivität einem von vier Lebensbereichen zu:

Dann verglich es jeweils die aktivsten Menschen mit den am wenigsten aktiven und berechnete das Demenzrisiko über eine mittlere Beobachtungszeit von zehn Jahren. Die Teilnehmenden waren zu Beginn im Median 67 Jahre alt, insgesamt traten 64.009 Demenzfälle auf.

Nils Behrens ist einer der bekanntesten Longevity-Experten im deutschsprachigen Raum und Host des Podcasts HEALTHWISE. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle .

Über alle Bereiche zusammengerechnet lag das Risiko der Aktivsten um 20 Prozent niedriger. Sobald das Team die Bereiche trennte, zerfiel dieses Bild:

Wichtig für die Einordnung: Hinter der Freizeitzahl stehen 20 Studien, hinter der Berufszahl nur fünf, hinter Haushalt und Pendeln zusammen drei.

Warum dieselbe Bewegung unterschiedlich wirkt: Das Muster ist aus der Herz-Kreislauf-Forschung bekannt und trägt dort den Namen Aktivitätsparadox . Die Erklärung liegt nicht in der Bewegung selbst, sondern in ihrem Kontext.

Körperlich fordernde Arbeit dauert acht Stunden am Stück, während eine Trainingseinheit nach 45 Minuten endet und danach Erholung folgt. Sie besteht häufig aus Heben und Halten statt aus rhythmischer Ausdauerbelastung. Der Puls bleibt dabei über Stunden leicht erhöht, ohne je das Niveau zu erreichen, das einen Trainingsreiz setzt.

Dazu kommen Faktoren, die mit Bewegung nichts zu tun haben. Menschen in körperlich fordernden Berufen

Lärm und Luftverschmutzung erhöhen das Demenzrisiko unabhängig von allem anderen. Die Autoren betonen deshalb ausdrücklich, dass ihre Befunde vermutlich eine Anhäufung sozialer und ökologischer Nachteile abbilden und nicht die körperliche Arbeit als solche. Raichlen fasst es so zusammen, dass beim Schutz des Gehirns der Kontext der Bewegung womöglich genauso zählt wie die Bewegung selbst.

An dieser Stelle wird das Thema zur Longevity-Frage. Demenz prägt den Unterschied zwischen Lebenszeit und gesunder Lebenszeit stärker als fast jede andere Erkrankung. In Deutschland leben nach Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz, jährlich kommen etwa 357.000 Neuerkrankungen hinzu. Ab 90 Jahren ist fast jede zweite Frau betroffen.

Die gute Nachricht steckt in einer zweiten Zahl derselben Auswertung. Menschen, die die Bewegungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfüllten, hatten ein um 35 Prozent geringeres Alzheimer-Risiko und ein um 38 Prozent geringeres Risiko für eine vaskuläre Demenz.

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