Wirbel um „Stadtbild“-Äußerungen - CDU-Politiker Radtke fühlt sich missverstanden
Nach seinem umstrittenen Auftritt bei „Markus Lanz“ verteidigt sich der CDU-Politiker Dennis Radtke (47) gegen die Kritik – und räumt zugleich einen Fehler ein.
Der Europa-Parlamentarier Radtke, der zum Sozialflügel der CDU gehört, war am Donnerstag erstmals zu Gast bei „Markus Lanz“. Und handelte sich prompt einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken ein. Auslöser waren Radtkes Äußerungen zum Thema Migration. „Ich glaube, selbst wenn wir den letzten illegalen Migranten abschieben, wird sich am Stadtbild an vielen Stellen überhaupt nichts ändern“, hatte der CDU-Politiker in der Sendung gesagt. Und dann ausgeführt: Städte wie Wattenscheid würden auch ohne illegale Migration „nie wieder so aussehen wie in den 70er-, 80er-Jahren“. Dort gebe es inzwischen kein Kino mehr und sei nur noch ein „Halal-Metzger“ übrig geblieben (ein Metzger, der auch Fleisch für religiöse Muslime anbietet). Moderator Lanz reagierte fassungslos, warf Radtke vor, eine solche Haltung sei die „Selbstaufgabe“ der Politik.
Radtke fühlt sich missverstanden. „Mir geht es um die falsche Erzählung, dass nach der Abschiebung des letzten Migranten Deutschland wieder wie früher aussehen wird“, sagte er zu BILD. „Daraus zu machen, ich würde vor illegaler Migration kapitulieren oder sie sogar noch begrüßen, finde ich abenteuerlich.“ Seine Partei setze sich im Gegenteil sehr konsequent dafür ein, dass Abschiebungen beschleunigt würden und weniger illegale Flüchtlinge ins Land kämen.
Doch beim Thema Stadtbild sei illegale Migration „am Ende nur eines von ganz vielen Problemen“. Als Beispiel nennt Radtke den Wandel im Einzelhandel. Der Schwund von Geschäften in Stadtzentren habe in erster Linie nichts mit dem Thema Flüchtlinge zu tun. „Dass inhabergeführter Einzelhandel seit Jahren unter Druck steht und verschwindet, ist nicht die Folge von Migration, egal, ob sie jetzt legal oder illegal ist, sondern ist die Frage, ist die Folge von verändertem Konsumverhalten.“
Wenn immer mehr Menschen online einkauften, habe das Auswirkungen auf die Innenstädte. „Wenn die Menschen im Internet bestellen, mehr und mehr, dann ist es logisch, dass inhabergeführter Einzelhandel aus den Innenstädten verschwindet.“ Auch das Verschwinden von Geschäften und Metzgereien führt Radtke auf andere Faktoren zurück. „Wenn Nachfolge in den Läden nicht geregelt werden kann, dann machen diese Läden zu.“
Im Rückblick gibt sich Radtke selbstkritisch. Sein Auftritt sei „ungeschickt“ gewesen, räumt er ein. Vor allem habe er versäumt, seine Vision für die Zukunft des Landes ausreichend zu erklären. Radtke zu BILD: „Heute wird jeder Satz aus dem Zusammenhang gerissen – das hätte ich mitdenken müssen“.
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