Kanadas Premier kündigt Vergeltung an - Macht dieser Mann vor, wie man Trump bändigt?
Ottawa/Washington – Der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada spitzt sich weiter zu. Nachdem mehrtägige Verhandlungen zur Abwendung neuer US-Zölle am Samstagabend ohne Einigung geendet waren, kündigte Kanadas Premierminister Mark Carney (61) an, auf die handelspolitische Offensive aus Washington mit eigenen Gegenzöllen zu reagieren. Derweil rückt die Frage in den Fokus, ob Deutschland und die Europäische Union, die gegenüber US-Präsident Donald Trump (80) bislang vor allem auf Dialog und Deeskalation gesetzt haben, sich an Carneys kompromissloser Linie ein Beispiel nehmen sollten.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen , für das sich Washington und Ottawa gegenseitig verantwortlich machen, will Kanada ab dem 8. September Vergeltungszölle einführen. Nach Angaben Carneys sollen diese insbesondere Produkte aus den Bereichen Stahl, Milchwirtschaft, landwirtschaftliche Ausrüstung sowie Elektrogeräte treffen. Die Maßnahme versteht die Regierung als Antwort auf die mit dem Abbruch der Gespräche besiegelten US-Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 28 Milliarden US-Dollar.
Trump reagierte auf seiner Online-Plattform „Truth Social“ mit verbalen Angriffen. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer (46) stellte zudem Vergeltungsmaßnahmen als Reaktion auf die kanadischen Gegenzölle in Aussicht. Wirtschaftsverbände beider Länder warnen indessen vor den Folgen für amerikanische sowie kanadische Verbraucher und Unternehmen und drängen auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.
Auf einer Pressekonferenz am Samstag gab sich Carney demonstrativ kämpferisch: „Kanada wird die neuen Zölle aus Washington Dollar für Dollar erwidern, um kanadische Arbeitnehmer, Landwirte, Familien und Unternehmen zu schützen“, erklärte der Premierminister. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Ottawa zu den von Washington geforderten Zugeständnissen in den Verhandlungen nicht bereit sei: „Wir können das, was sie angeboten haben, nicht akzeptieren, und wir werden nicht das geben, was sie verlangt haben.“
Während Brüssel in den Verhandlungen mit Washington bislang auf Annäherung und Deeskalation setzte, geht Kanadas Premier Mark Carney den entgegengesetzten Weg und sucht die offene Konfrontation. Doch sollte auch die EU Trumps Druck mit maximaler Härte begegnen?
Christian W. Röhl, Chefökonom bei Scalable Capital, sieht das skeptisch: „Carneys Kurs gegenüber der US-Regierung taugt kaum als Blaupause für die EU“, so der Experte zu BILD. Ausschlaggebend sei die deutlich stärkere Verhandlungsposition Kanadas gegenüber den USA. Das Land sei weniger abhängig von seinem südlichen Nachbarn und verfüge zugleich über wirksamere Mittel, um Druck auszuüben.
Röhl erklärt: „China konnte einen guten Zolldeal mit den USA aushandeln, weil es mit seiner Kontrolle über Seltene Erden ein starkes Faustpfand besaß. Brasilien erzielte ein ähnliches Ergebnis, weil das Land über Agrarprodukte Druck ausüben konnte. Kanada verfügt dank seines Rohstoffreichtums über einen vergleichbaren Hebel.
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