Bundesliga-Legende in 4. Liga - Obsthändler brachte Stani in den Fußball zurück
Holger Stanislawski (57) hat gute Laune. Zum einen, weil sein 7000-Quadratmeter-Supermarkt in Hamburg-Winterhude brummt. Zum anderen beim Blick auf die Tabelle der Regionalliga Nord. Da liegt die SV Drochtersen/Assel auf Platz 2. Und bei dem rund 45 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegenen Klub ist St.-Pauli-Legende Stanislawski (275 Pflichtspiele, Aufstiegstrainer 2010) seit dieser Saison sportlicher Berater .
Das kurzfristige Ziel ist klar: „Wir wollen in dieser Saison Meister werden, den Anspruch müssen wir an uns haben.“ Dann würde Drochtersen in den Play-offs gegen den Süd-Meister um den Drittliga-Aufstieg spielen. Das langfristige Ziel: „Wir wollen bestehende Strukturen verfeinern und neue Dinge schaffen. Von Scouting über Infrastruktur bis Rasenpflege, vielleicht auch ein kleines Nachwuchsleistungszentrum.“ Wichtigstes Projekt ist derzeit der Stadionausbau von 3000 auf 5001 Plätze, um Drittliga-Bedingungen zu erfüllen.
Ein Aufstieg wäre ein Fußball-Märchen. Die Gemeinde Drochtersen (im niedersächsischen Landkreis Stade) hat nur rund 11.500 Einwohner. Der Verein wurde 1977 gegründet, spielte bisher nie höher als Regionalliga (seit 2015). Absoluter Höhepunkt der Klub-Geschichte war das 0:1 gegen die Bayern in der ersten Pokalrunde 2018, als Robert Lewandowski erst in der 81. Minute traf. Hinter dem Projekt steht der Unternehmer Rigo Gooßen (66), der seit über 40 Jahren Präsident ist.
Kurios: Ohne Stanis Supermarkt wäre der Berater-Job nie zustande gekommen. Er verrät: „Der Kontakt zu Rigo entstand über einen unserer externen Obst- und Gemüsehändler. Da ging es eigentlich um ein anderes Projekt. Aber bei jedem Treffen haben wir natürlich viel über Fußball gesabbelt. Und irgendwann fragte Rigo: Hast du nicht Lust, bei uns dabei zu sein?“
Hatte er. Zwei- bis dreimal die Woche ist Stanislawski vor Ort, tauscht sich mit Boss Gooßen, Manager Sören Behrmann (36) und Trainer Oliver Ioannou (37) aus: „Es ist schon Aufwand, aber es macht Laune.“ Am Ende soll ein von Stani mitentwickeltes Konzept für Drochtersen/Assel entstehen, um nachhaltige Voraussetzungen für Profi-Fußball schaffen zu können. Zu Beginn der Zusammenarbeit skizzierte er für den Präsidenten schon seine ersten Gedanken – spontan auf einer Rolle Geschenkpapier: „Die habe ich ein paar Meter ausgerollt und dann auf der Rückseite geschrieben.“
Was Stanislawski hilft: die zahlreichen Erfahrungen aus seiner eigenen Karriere. Er erinnert sich schmunzelnd: „Ich weiß selbst noch, was es heißt, etwas aufbauen zu müssen. Bei St. Pauli haben wir früher auf einem städtischen Platz trainiert. Da mussten wir aber runter, wenn Bundesjugendspiele waren. Und während die Kinder auf dem Rasen waren, sind wir über einen Grandplatz gerannt. Aber es macht Spaß, wenn du dann schrittweise siehst, wie sich etwas entwickelt. Und in Drochtersen sind ja schon Strukturen vorhanden, die wir nun verfeinern wollen.“
Bei den Viertliga-Spielen sitzt Stanislawski auf Wunsch des Trainers mittlerweile sogar mit auf der Bank: „Er sagte, es hilft ihm, ein erfahrenes Auge zu haben und Dinge zu erkennen, die ihm vielleicht durchgehen.“ Dabei geht es manchmal dann auch mit Stanislawski durch.
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