Rekord-Schiri Brych erklärt die neuen Regeln - Würde ein Tah-Tor in der Bundesliga zählen?
München – Neue Saison, neue Regeln. Gut, sie zu kennen! Bundesliga-Rekord-Schiedsrichter Dr. Felix Brych (359 Einsätze) erklärt sie – und erläutert die Hintergründe. Der 51-jährige Münchner, der nach Ende seiner aktiven Laufbahn in der DFB-Schiedsrichter-GmbH Sportlicher Leiter 2. Bundesliga ist: „Wir alle – Spieler, Zuschauer, Schiris – wollen doch ein fließendes Spiel mit möglichst wenig Unterbrechungen. Und wir Schiris sind alle optimistisch, dass die neuen Regeln die Netto-Spielzeit erhöhen.“
Wie schon bei der WM gilt in den deutschen Profi-Ligen ab sofort eine Sekunden-Regel nicht mehr nur bei Abschlägen und Abwürfen des Torwarts, sondern auch bei Abstößen, Einwürfen und Auswechslungen. Und zwar jeweils 5 Sekunden beim Abstoß und beim Einwurf sowie 10 Sekunden bei einer Auswechslung.
Die Referees überwachen die Einhaltung der Countdowns; sind sie abgelaufen, wechselt der Ballbesitz bzw. darf der Einwechselspieler erst mit mindestens einer Minute Verzögerung (und bei der nächsten Spielunterbrechung) den Platz betreten. Auch Gelbe Karten sind möglich.
Die Eine-Minute-draußen-Regel greift auch bei Spielern, die sich auf dem Platz behandeln lassen. Sie müssen ihn danach auch für 60 Sekunden verlassen. Brych: „Die Ausnahme sind hier etwa Verletzungen nach Fouls, die mit einer gelben oder roten Karte bestraft worden sind.“
Bei falschen zweiten Gelben Karten (also Gelb-Rot, Platzverweis) kann der VAR jetzt eingreifen.
Aber nicht alle WM-Regeln der Fifa werden in der Bundesliga umgesetzt. „Es gab drei optionale Änderungen. Die Hand vor dem Mund ahnden wir nicht direkt mit Rot, sondern mit Gelb – falls der Schiedsrichter in einer Konfliktsituation eine Unsportlichkeit feststellt. Verlassen des Platzes aus Protest wird ebenfalls nicht mit Rot bestraft. Und Eckbälle werden nicht vom VAR überprüft“, sagt Brych.
Was ausschließlich die Video-Schiris allerdings checken können, ist die ballistische Flugkurve des Balles . Brych: „Es gibt zwar keinen Chip im Ball wie bei der WM, aber Erschütterungen und selbst leichte Veränderungen der Flugbahn sind erkennbar – und damit etwa Handspiele leichter zu identifizieren.“
Und noch etwas ist anders als bei der WM. Beim Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay wurde das vermeintliche 2:1 von Jonathan Tah nach VAR-Intervention annulliert, weil Waldemar Anton Paraguays Torhüter Orlando Gill zuvor angerempelt hatte. „Wir wollen natürlich, dass Torhüter die Möglichkeit haben, frei an den Ball zu kommen. Und wir haben das im Blick“, sagt Brych: „Aber die Regel zum besonderen Schutz im Fünfmeterraum gibt es nicht mehr, der Torwart ist wie ein Feldspieler zu sehen. In der Bundesliga und der 2. Liga würde es in der neuen Saison keinen VAR-Eingriff geben.“
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