Maria Grazia Chiuri: »Es ist tief in unserer Kultur verwurzelt, dass das Genie ein Mann ist«
ZEITmagazin: Frau Chiuri, Sie haben im Laufe Ihrer Karriere mit sehr berühmten Männern zusammengearbeitet: bei Fendi unter Karl Lagerfeld , danach bei Valentino unter Valentino Garavani. Wie ist es, als Frau mit Männern Damenmode zu entwerfen?
Maria Grazia Chiuri: Ich hatte immer das Gefühl, jeder von ihnen hat eine bestimmte Vorstellung von Frauen, die die Zeit widerspiegelt, in der sie geboren wurden oder gelebt haben. Sie waren einen luxuriösen Lebensstil gewohnt und hatten nur mit Frauen Kontakt, die denselben Lebensstil pflegten. Aber wenn man mit Mehrwert gestalten will, muss man auch mit Menschen sprechen, die einer ganz anderen Generation angehören und andere Lebensumstände und -stile haben. Valentino Garavani war besessen von Couture, von der Perfektion des Kleides. Ich führte gute Gespräche mit ihm, in denen er sehr interessiert am Lebensstil und Modegeschmack meiner Generation von Frauen war. Ich hatte also das Gefühl, mein Wissen einbringen zu können.
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