„Eberhofer“-Star Sebastian Bezzel - Fünfmal an der Schauspielschule durchgefallen
München – Fünfmal stand Sebastian Bezzel (55) vor einer Schauspielschul-Jury – und fünfmal wurde er abgelehnt. Bei einer Prüfung durfte er nicht einmal seine dritte Rolle vorsprechen, weil die Kommission ihn schon vorher stoppte. Heute ist er der wohl bekannteste grantige Dorfpolizist Deutschlands. Bevor aus dem verkrampften Jungschauspieler der Kult-Kommissar Franz Eberhofer wurde, musste Sebastian Bezzel erst lernen, mit dem eigenen Scheitern zu leben.
Bezzel wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Wissen und Disziplin großgeschrieben wurden. Sein Vater war ein renommierter Ornithologe, seine Mutter arbeitete als Lehrerin. Emotional sei er nach ihr geraten: „Ich glaube, ich komme eher nach meiner Mutter“, sagt Bezzel – sein Vater sei „der Rationalere“ gewesen. Mit der Vogelkunde des Vaters konnte er nie etwas anfangen. „Nee, das war irgendwie nie mein Thema“, erzählt er. Sein Vater habe das akzeptiert, weil er „klug genug“ gewesen sei zu wissen, „dass man eine Leidenschaft nicht jemandem aufzwingen kann“.
Seine Schulnoten waren über Jahre ein Streitthema im Hause Bezzel – schließlich waren beide Elternteile selbst gute Schüler gewesen. „Da hab ich mir einiges anhören müssen“, gibt er zu. Erst als klar wurde, dass er unbedingt Schauspieler werden wollte, kippte die Stimmung: Diskussionen habe es darüber nicht gegeben, „aber sie haben gesagt: ‚Aber dann richtig bitte‘ – also eine gute Schauspielschule.“
Wie wenig Bezzel für klassische Schulfächer übrighatte, zeigt eine Anekdote aus der Oberstufe. Er erzählt sie mit sichtlicher Dankbarkeit. Sein Mathelehrer soll ihm damals gesagt haben: „Ich geb dir den Punkt fürs Zeugnis, dann gilt das als belegt. Lass dich hier einfach nie wieder blicken.“ Der Lehrer habe genau gewusst, wohin die Reise gehen sollte: „Das ist mir eh klar, dass du Schauspieler wirst“, habe er gesagt.
Der Weg zur staatlichen Schauspielschule war alles andere als geradlinig. „Ich wurde sehr viel abgelehnt, weil ich einfach sehr schlecht war“, sagt Bezzel. „Ich habe fünf Prüfungen in den Sand gesetzt.“ Bei einem Vorsprechen kam er nicht einmal bis zur dritten vorbereiteten Rolle: „Ich durfte nicht mal meine dritte Rolle sprechen, weil es so schlecht war.“ Er habe „verkrampft auf der Bühne“ gestanden und „irgendwie n’ Text runtergebrüllt“, ohne wirklich zu verstehen, was von ihm erwartet wurde.
Es folgte eine orientierungslose Phase nach dem Zivildienst, in der er in die Großstadt zog, „ein bisschen studierte“ – „das war alles nichts Halbes und nichts Ganzes“. Doch gerade diese Umwege hätten sich am Ende als wichtig erwiesen, sagt er, denn sie endeten schließlich „mit einer erfolgreichen Prüfung“. Bezzel wurde an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München aufgenommen. Von da an sei der Weg klar gewesen.
Bevor Bezzel zum Franz Eberhofer wurde, spielte er 13 Jahre lang den Assistenten von Eva Mattes (71) im „ Tatort Konstanz“ – 27 Filme lang.
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