Sturzflut im Himalaya: Hohes Risiko für neue Überflutungen im Gebiet zwischen Tibet und Nepal
Nach der verheerenden Sturzflut in der Gebirgsregion zwischen Tibet und Nepal sehen die chinesischen Behörden ein »hohes Risiko« für erneute Überflutungen. Der See, der sich durch die Sturzflut gebildet habe, könne angesichts anhaltenden Regens in den kommenden drei Tagen auf ein Volumen von rund drei Millionen Kubikmeter anwachsen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das chinesische Wasserministerium.
Wenn der See über seine Ufer trete, könnten die Wassermassen im Katastrophengebiet weitere Schäden anrichten, hieß es. Dies betreffe auch den chinesisch-nepalesischen Grenzübergang Gyirong und andere Gebiete stromabwärts.
Chinesischen Angaben zufolge sollen inzwischen mehr als 1.000 Menschen aus dem Katastrophengebiet in Sicherheit gebracht worden sein, darunter 555 Touristen. Bislang seien 499 Einwohner und 555 Touristen, die in dem Katastrophengebiet festsaßen, evakuiert worden, berichtete der staatliche Sender CCTV.
Zuvor hatten örtliche Behörden die Zahl der Vermissten mit 1.400 Menschen angegeben, darunter Pilger und ausländische Staatsbürger. Nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde sollen mindestens acht Deutsche unter den Vermissten sein. Die Zahl der Toten war laut nepalesischer Polizei am Donnerstag auf 389 gestiegen . Drei Tote wurden aus China gemeldet.
In Nepal wurden nach Behördenangaben Dutzende Brücken und knapp 40 Kilometer Straßen zerstört. Der Vorsitzende des Nepalesischen Roten Kreuzes, Bishal Kumar Bhandari, sagte, rund 1.200 Menschen seien aus mindestens drei Dörfern vertrieben worden.
In Tibet liege der Schlamm in der Umgebung des Grenzübergangs Gyirong im Durchschnitt mehr als eineinhalb Meter hoch, berichtete der chinesische Staatssender CCTV. Straßen zum Grenzübergang seien beschädigt worden.
UN-Nothilfechef Tom Fletcher gab am Donnerstag auf der Plattform X die Freigabe von zwei Millionen US-Dollar aus einem Nothilfefonds bekannt, um medizinische Versorgung, Unterkünfte und Wasser bereitzustellen.
Eine gewaltige Sturzflut hatte sich am Mittwoch auf einer Länge von mehr als 160 Kilometern ihren Weg durch Nepal gebahnt und ganze Ortschaften zerstört. Ursache war nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS vermutlich ein Gletscherabbruch. Auch das benachbarte Tibet war von der Katastrophe betroffen.
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