„Bier, Boobs, Brezn“: Oktoberfest feiert erstes lesbisches Wiesn-Event
Der „Gay Sunday“ ist auf dem Oktoberfest längst etabliert – doch meist kamen fast nur Männer zu dem queeren Tag.
Nun ziehen die Frauen nach – und sind begeistert. „Das gab's noch nie“, sagt Tanja, die extra aus der Schweiz angereist ist. „Ein extra space nur für uns.“ Rund 700 Frauen und Flinta-Personen (das steht für Frauen, Lesben, Inter, Nonbinär, Trans und Agender) haben das erste explizit lesbische Oktoberfest-Event gefeiert.
Im Festzelt „Bräurosl“ gab es, einen Tag nach dem traditionellen Gay Sunday, dem Rosa Sonntag, der traditionell von schwulen Männern dominiert ist, unter dem Motto „Bier, Boobs, Brezn“ genau das. „Wo sind eigentlich die lesbischen Frauen?“ „Endlich mal nicht 99,9 Prozent Männer “, sagt die 41 Jahre alte Verena.
Denn das ist nach Ansicht von Veranstalterin Sina Scherer genau das Problem: „Wo sind eigentlich die lesbischen Frauen? In München gab es früher viel mehr Orte, an denen lesbische Frauen sichtbar waren und sich selbstverständlich getroffen haben – gerade auch im Glockenbachviertel.
Viele davon sind verschwunden.
Auf der Wiesn haben wir ein ähnliches Phänomen beobachtet.
Es gibt seit Jahrzehnten etablierte queere Termine, aber lesbische Frauen spielen dabei als eigene Community bislang kaum eine sichtbare Rolle“, erläutert sie. „Da haben wir irgendwann gesagt: Dann warten wir nicht darauf, dass jemand einen Raum für uns schafft.
Dann schaffen wir ihn selbst.“ Das macht sie mit ihren „Lost Girls“-Events schon länger, auf der Wiesn ist es eine Premiere.
Das Oktoberfest ist „kein klassischer Queer Space“ „Vielleicht ist die Wiesn gerade deshalb ein guter Ort, weil sie kein klassischer Queer Space ist“, sagt Scherer im Interview der Nachrichtenagentur DPA. „Die Wiesn gehört zur Münchner Stadtgesellschaft.
Hier sitzen unterschiedlichste Generationen, Nationalitäten, Milieus und Lebensentwürfe nebeneinander auf der Bierbank.
Und genau dort sollte queeres Leben selbstverständlich sichtbar sein – nicht nur im queeren Club oder beim CSD.“ Und auch wenn nach dem Anschlag auf den Berliner CSD die Sorge dabei ist – die Lust, zu feiern ist es auch und das Vertrauen in die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Mega-Volksfest groß.
90 Prozent Männer am Rosa Sonntag Nach Angaben der „Bräurosl“-Wirte Franziska und Peter Reichert gibt es den Rosa Sonntag schon seit mehr als 40 Jahren.
90 Prozent der Gäste seien männlich. „Hier liegen sich über 6000 Männer in den Armen und feiern das Leben und die Liebe.“ Aus Sicht von Berti Gammenthaler vom Forum Queeres Archiv in München liegen die Gründe für den Männerüberschuss auf queeren Partys (nicht nur auf der Wiesn) auf der Hand: „Weil Männer im Allgemeinen mehr Alkohol konsumieren.
Das ist auch der Grund, warum viele Frauen- oder Lesbenkneipen der 90er und 2000er Jahre gescheitert sind.
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