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BILD-Redakteurin Jill Arlitt - Wie mich eine Babyparty in den Ruin treibt

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BILD-Redakteurin Jill Arlitt - Wie mich eine Babyparty in den Ruin treibt

Ich dachte lange, eine Babyparty sei eine dieser Veranstaltungen, bei denen man sich mit ein paar Freundinnen zusammensetzt, Kuchen isst, über das ungeborene Kind quatscht und der werdenden Mutter ein niedliches Geschenk überreicht. Vielleicht noch ein paar Luftballons. Fertig. Bis ich zu einer eingeladen wurde, beziehungsweise dazu, eine zu organisieren.

Bisher kannte ich nur „Brautzilla“, eine Anlehnung an das Film-Monster „Godzilla.“: Frauen, die kurz vor der Hochzeit Trauzeugen aus dem Gruppenchat werfen, weil deren Outfit nicht exakt den Roséton des Brautstraußes trifft. Dann lernte ich „Babyzilla“ kennen. Es fing harmlos an. Bis „Babyzilla“ aus dem Nichts ein Moodboard verschickte. „Hier nur ein paar kleine Ideen für die Babyparty.“ Ich klickte darauf. Das waren keine kleinen Ideen. Das waren ausgearbeitete Konzepte.

Teddybären, die an Wäscheleinen zwischen Stramplern hängen. Kerzen in exakt aufeinander abgestimmten Brauntönen. Zum Motto passende Tischdecken und Servietten, mit Schleifen verzierte Luftballons, Bärchenteller, Bärchengirlanden. Nach drei Minuten fragte ich mich, wie ich das ohne Eventagentur schaffen sollte. Zwei weitere Minuten später wurde mir klar, dass ich mit einer Eventagentur allein nicht weiterkam – ich brauchte auch eine Patisserie. Wie sonst sollte ich Zimtschnecken in Teddybärform oder die mit Ahornblättern verzierte dreistöckige Sahnetorte hinbekommen? Wahlweise gab es auch das Motto „Kürbis“. Mit passendem Luftballonbogen und farblich abgestimmten Einladungen. Für 20 Gäste. Natürlich. Zusätzlich durfte sich jeder noch etwas von der Amazon-Geschenkeliste aussuchen. „Von großen Geschenken bitte absehen. Man möchte ja nicht übertreiben.“

Damit begann der eigentliche Stress: Verzweifelt sah ich dabei zu, wie sich die Liste nach und nach leerte. Mit jedem gekauften Geschenk stieg der Druck. Hier war er, der Wettlauf gegen die Klickgeschwindigkeit anderer Freundinnen. Ich musste mich beeilen, bevor am Ende nur noch der Krabbelstall für 149,99 Euro oder der Schaukelstuhl für 199 Euro übrig blieb.

Ständig hört man, wie wichtig Freundschaften sind. Sie machen glücklich, verlängern unser Leben. Ich finde, diese Studien verschweigen eine Sache: Freunde machen arm. Vor allem in den 30ern. In diesem Alter passiert alles gleichzeitig. Die Leute heiraten, bekommen Kinder, feiern Junggesellenabschiede, große Geburtstage. Ich liebe meine Freunde. Wirklich. Aber wenn ich sie mir nach ökonomischen Gesichtspunkten aussuchen könnte, würde ich ältere Single-Freunde in den Wechseljahren nehmen. Die haben keine Babyparty. Die haben Hitzewallungen. Die sind kostenlos.

Eine Freundin von mir ist für die Hochzeit eines befreundeten Paares quer durch die Welt in ein kleines französisches Dorf gereist. Junggesellinnenabschied, drei Übernachtungen in der Provence, Flug, Mietwagen und natürlich noch ein Hochzeitsgeschenk. Romantisch. Bis man auf das eigene Konto schaut. Eine andere hat 350 Euro für einen Junggesellinnenabschied bezahlt, bei dem sie nicht dabei sein konnte. Aber hey. Es war eben eine gute Freundin. Genau da liegt das Problem. Man will eine gute Freundin sein.

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