Kult-Schauspieler Ralf Richter (†69) - Sein Sohn war bei ihm, als er starb
Köln (Nordrhein-Westfalen) – Die deutsche Filmwelt trauert um einen ihrer letzten echten Kerle. Laut, wuchtig, mit feurigem Talent wie aus dem Hochofen. Ralf Richter (†69) war Kalle Grabowski in „Bang Boom Bang“ und der Zentralmaat Frenssen im Klassiker „Das Boot“. Ein Ruhrpott-Typ mit Schnauze, Wucht und einem Gesicht, das man nicht vergessen konnte. Jetzt ist „Ralle“ tot. Der Kult-Schauspieler starb in der Nacht zum Dienstag in Köln.
Sein Sohn Max (44) bestätigte gegenüber BILD: „Meinem Vater ging es seit Längerem gesundheitlich sehr schlecht. Er litt an COPD und einer Herzunterfunktion. Eine Vene zum Herzen hat nicht mehr richtig gearbeitet.“
Max Richter, selbst Schauspieler, weiter über die gesundheitlichen Probleme: „Deshalb war er schon vor ein paar Monaten in der Klinik. Danach hat er weiter abgebaut. Mein Vater ist dann letzte Nacht zu Hause in seiner Kölner Wohnung gestorben, zwischen 22 und 1 Uhr. Ich war bei ihm, als er starb.“
Für viele war der Filmstar mehr als ein Schauspieler. Ralf Richter (zwei Kinder, sechs Enkel) war eine Erscheinung. Wenn er einen Raum betrat, war klar: Jetzt wird es laut, direkt – und meistens ziemlich lustig. Seinen großen Durchbruch hatte der gebürtige Essener 1981 in Wolfgang Petersens „Das Boot“ . Als Frenssen spielte er sich mit seiner rauen, unverwechselbaren Art ins Gedächtnis eines Millionenpublikums – und bis nach Hollywood (sechs Oscar-Nominierungen für den Antikriegsfilm).
Doch unsterblich wurde Richter für eine andere Figur: Kalle Grabowski aus „Bang Boom Bang“. Goldkette, Schnauzer, Wutausbrüche – und dieser Blick! Der cholerische Ganove wurde zur Kultfigur. Der Film von Peter Thorwarth (1999) ist bis heute ein Ruhrpott-Klassiker, seine Sprüche gehören längst zum deutschen Filmgedächtnis.
Richter passte in keine glattgebügelte Schauspieler-Schublade. Er spielte die Typen, die anecken. Den Proll, den Ganoven, den Bauarbeiter, den harten Kerl. In „Was nicht passt, wird passend gemacht“ war er wieder ein Kalle, in „Goldene Zeiten“, dem dritten Teil der sogenannten „Unna-Trilogie“ , mimte er den Zuhälter. Immer mit dieser ganz eigenen Mischung aus Aggression, Humor und Menschlichkeit.
Dabei war seine Karriere mit vielen Auftritten an Theatern und in Serien („Tatort“, „Großstadtrevier“) alles andere als vorgezeichnet. Richter machte zunächst eine Schreinerlehre, besuchte später die Schauspielschule in Bochum und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben. Aufgewachsen war er mit sieben Geschwistern im Ruhrgebiet . Die Herkunft aus dem Pott blieb sein Markenzeichen – und seine große Stärke. Auch wenn es ihn später nach Köln zog. Die Domstadt wurde zu seiner Heimat. In der Südstadt lebte der gebürtige Essener zuletzt. Dort kannte man ihn nicht nur als Filmstar, sondern auch als Fußballfan und echten Typen.
Eigentlich wollte Richter an diesem Mittwoch (16. September) mit seinem Sohn beim Start-up-Treffen „PITCH BOOM BANG“ in der alten Kokerei Hansa in Dortmund auftreten. Dort wollte er mit seinen Sprüchen für Stimmung sorgen. Das verkündeten beide in einem Facebook-Video.
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