Ärzte vermuten Burnout – dann bekommt Britta Demenz-Diagnose
Demenz und ihre häufigste Form Alzheimer verbindet man in der Regel mit Menschen weit fortgeschrittenen Alters. Rund 1,8 Millionen Menschen sind hierzulande von der unheilbaren Erkrankung betroffen, die meisten davon sind über 65 Jahre alt.
Doch auch etwa 100.000 Männer und Frauen zwischen 45 und 64 sind in Deutschland an Demenz erkrankt – Menschen, die noch mitten im Berufsleben stehen.
Eine von ihnen ist Britta aus Eckernförde. Die Lehrerin war gerade einmal 56 Jahre alt, als sie die erschütternde Diagnose Frühdemenz erhielt. Für den Beitrag „37°: Mein Weg ins Vergessen – Leben mit Frühdemenz“ haben sich die Journalistinnen Marion Mück-Raab und Stefanie Neckermann vielfach mit Britta und ihrer Familie getroffen und hautnah erlebt, was die Erkrankung mit sich bringt.
Anfangs macht Britta noch Witze über ihrer Vergesslichkeit. Manchmal sei diese etwa bei Streit mit Stefan ganz nützlich, sagte sie schmunzelnd Sie gesteht aber auch, dass ihr die Krankheit Angst mache: „Manchmal weiß ich gar nicht mehr, ob ich etwas gesagt oder nur gedacht habe.“
Sie merkt, wie sie geistig abbaut. Wie ihre Familie sie und sie ihre Familie langsam verliert. Über diese Verlustangst sprechen nicht nur Britta und Stefan sehr offen und angefasst vor der Kamera, sondern auch Brittas Kinder aus ihrer ersten Ehe.
Seit ihrem 50. Lebensjahr war Britta immer vergesslicher geworden. Vor zwei Jahren wurde sie dann wegen des Verdachts auf Burn-out behandelt, allerdings besserten sich die Symptome nicht. Bis ihre Ärztin eine Gehirnwasseruntersuchung veranlasste, die zu der eindeutigen Diagnose Alzheimer führte. Diese veränderte alles im Leben der Lehrerin und ihrer Familie.
Britta weiß, dass sie die Krankheit nicht aufhalten kann: „Ich bin nicht mehr die Alte“, sagt sie. „Ich kann damit hadern oder ich muss das akzeptieren.“
Ihren Beruf musste sie mittlerweile aufgeben. Auto fahren darf sie auch nicht mehr, ihre Abhängigkeit von ihrem Mann steigt. Auch er leidet unter der Situation seiner Frau, möchte ihr helfen, sie aber nicht bevormunden. Und er möchte möglichst vieles noch mit ihr besprechen, ehe das nicht mehr möglich ist, vor allem was die Wünsche für ihre Betreuung angeht . Es kommt immer wieder zu Spannungen und Frust, weil Britta sich damit nicht beschäftigen möchte.
Sie beschäftigt sich lieber mit aktiven, schönen Dingen, solange es geht. Ihrem Hobby, dem Malen, etwa. Und sie schreibt und illustriert drei Kinderbücher, darunter eins über Alzheimer. Britta geht offen mit ihrer Erkrankung um, gibt unter anderen in Seniorenheimen und Stadtbibliotheken in ihrer Gegend Lesungen aus ihrem Buch über das Mutterschaf Berta, das immer mehr vergisst.
Für ihren Einsatz zur Aufklärung verlieh die Hertie-Stiftung Britta, die ihre Krankheit „kleine Fee Dementia“ nennt, 2025 den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe.
Das Original zu diesem Beitrag " „Damit hadern oder das akzeptieren“ " stammt von teleschau.
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