Online-Shopping, SMS, Waschmaschine - Diese Veränderungen waren erste Zeichen von Demenz
Es war das ständige Brummen der Waschmaschine, das Emily Harris erstmals stutzig machte. Wann immer die 31-Jährige ihre Mutter Andrea in Droitwich in der englischen Grafschaft Worcestershire besuchte, lief die Maschine. Morgens, abends – manchmal mit nur einem einzigen T-Shirt oder sogar nur einer einzelnen Socke darin. Damals hielt Emily das für eine Marotte. Heute weiß sie: Es war vermutlich eines der frühen Anzeichen einer frontotemporalen Demenz.
Wie die britische „ Daily Mail “ berichtet, war Andrea erst 56 Jahre alt. Die vierfache Mutter hatte als Krankenschwester gearbeitet und galt als ausgesprochen organisiert. Doch nach und nach häuften sich merkwürdige Veränderungen.
Andrea verwechselte Namen und suchte nach Wörtern. Ihre SMS wurden zunehmend unverständlich, enthielten Rechtschreibfehler und scheinbar wahllos eingetippte Wörter. Einmal fragte Emilys Tante besorgt nach, ob Andrea getrunken habe, nachdem sie von ihr eine völlig unverständliche Nachricht erhalten hatte.
Dann kamen weitere Auffälligkeiten hinzu. Andrea verursachte immer häufiger Kratzer und kleinere Schäden an ihrem Auto. Gleichzeitig entwickelte sie einen regelrechten Online-Shopping-Drang. Fast täglich trafen Pakete ein. Sie bestellte Kleidung für ihre Enkel – allerdings häufig in der falschen Größe oder gleich zwei- und dreimal dasselbe Stück. Auf ihrem Handy entdeckte Emily schließlich täglich 50 bis 60 E-Mails mit Codes zum Zurücksetzen von Passwörtern. „Es war schwierig, zu wissen, ob man lachen, sich Sorgen machen oder eingreifen sollte“, erinnert sie sich laut „Daily Mail“.
Zunächst vermutete die Familie Stress, Erschöpfung oder die Wechseljahre. Andrea erhielt nach Untersuchungen sogar eine Hormonersatztherapie . Doch ihr Zustand verschlechterte sich weiter. Emily bestand schließlich auf einer Untersuchung in einer Gedächtnisambulanz. Ein Hirnscan zeigte bereits einen fortgeschrittenen Gewebeschwund im Gehirn (Atrophie). Nach weiteren Untersuchungen folgte die Demenz-Diagnose.
Die frontotemporale Demenz unterscheidet sich deutlich von Alzheimer . Die Erkrankung betrifft vor allem die Hirnbereiche für Persönlichkeit, Verhalten und Sprache. Sie tritt häufig früher auf als Alzheimer, typischerweise zwischen dem 45. und 64. Lebensjahr. Gedächtnisprobleme stehen anfangs oft gar nicht im Vordergrund. Stattdessen können Betroffene impulsiver werden, zwanghafte Gewohnheiten entwickeln, ihre Persönlichkeit verändern oder sprachliche Fähigkeiten verlieren. Gerade deshalb wird die Krankheit laut Experten häufig lange übersehen. Im Durchschnitt dauert die Diagnose 4,2 Jahre.
Für Emily ist die wichtigste Erkenntnis aus der Geschichte ihrer Mutter deshalb eine Warnung an andere Familien : „Wenn du das Gefühl hast, dass sich bei einem Menschen, den du liebst, etwas verändert hat, stell weiter Fragen und dränge weiter auf Antworten.“
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