TV-Kritik: Sarah Tacke: Warum nicht einmal über Positivbeispiele reden?
Deutschland ist in einer schwierigen Phase seiner Wirtschaftsgeschichte. Seit Jahren wächst das Bruttoinlandsprodukt nicht. Die sozialen Sicherungssysteme stehen unter Druck. Lang versprochene Reformen sind inzwischen beschlossen. Die Rhetorik erinnert an die Jahrtausendwende, als schon einmal mehrere Jahre schwächelnder Wirtschaftsleistung Reformen im Sozialsystem vorausgingen.
Geprägt wird der Diskurs in politischen Talkshows, deren Zahl seither im öffentlichen Rundfunk deutlich zugenommen hat. Moderatoren solcher Sendungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, in welchem Ton über die politische Lage gesprochen wird. Vor dem Hintergrund der Umfrageerfolge der AfD, der ökonomischen Lage und der tiefgreifenden Differenzen der Koalitionspartner Union und SPD hat sich in den vergangenen Monaten eine Untergangsstimmung breitgemacht.
Dass dieser Dreiklang aus Wirtschaft, Reformvermögen und Abstiegssorge kein zwangsläufiges Ergebnis von politischen Talkshows sein muss, hat die Sendung „Sarah Tacke“ am Donnerstagabend gezeigt. Sie macht einiges grundlegend anders als die Talkshow von Maybrit Illner, die eigentlich auf diesem Sendeplatz läuft: Sie hat weniger Gäste, verharrt länger bei einzelnen Aspekten, bis auch alle Zuschauer sie verstanden haben können (ohne deswegen unangenehm pädagogisch zu sein) und verfolgt den Ansatz eines „konstruktiven Journalismus“, der gelungenen Praxisbeispielen Raum gibt.
Das ist nicht wenig angesichts einer eigentlich extrem polarisierenden Debatte über das Bürgergeld, an dessen Gestaltung und Rückabwicklung einige Jahre politischer Arbeit eingesetzt wurden. Auch die Gäste zählten durchaus nicht zu den Unbekannten in Talkshows: Besonders der Bundestagsabgeordnete (und Beauftragte für die maritime Wirtschaft) Christoph Ploss (CDU) und die Generalsekretärin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Katja Kipping gehören zum deutschen Talkshow-Inventar. Hinzu kam die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler).
Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen .
Es ist das Verdienst des konzentrierten, ernsthaften und uneitlen Sendekonzepts von Tacke und ihrem Team, dass diese Teilnehmer, die zum Zuspitzen neigen, bei der Sache blieben. Die Moderatorin erspart sich Fragen, die zuviel Schärfe in die Diskussion bringen, und bleibt bei ihrem versprochenen Sendeinhalt. Überdies hält sie Versprechen ein („Zum Lohnabstand kommen wir später.“). Wo nötig unterstützt sie ihre Fragen mit anschaulichen Grafiken und kurzen Einspielern. Auf diese Weise sieht man noch einmal, in welchem Umfang die Unionspolitiker Merz (sechs Milliarden Euro), Spahn (zehn Milliarden) und Frei (30 bis 40 Milliarden Euro) Einsparungen durch die Abschaffung des Bürgergelds zum 1. Juli in Aussicht gestellt hatten.
Angesichts eines zweistelligen Millionenbetrags, der tatsächlich in diesem Jahr eingespart wird, gesteht der Vertreter der Regierungsfraktion Ploß ein, dass etwas unrealistische Erwartungen geschürt worden seien, mittelfristig aber schon Milliardeneinsparungen möglich seien.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.faz.net — der Inhalt gehört Frankfurter Allgemeine Zeitung.