Besser Schlafen: Vergesst die Acht-Stunden-Regel
Schlaf bestimmt, ob wir uns gut konzentrieren können, er ist wichtig für unser Gedächtnis, fördert unsere gute Laune und unser Immunsystem. Guter Schlaf könnte sogar unsere Lebenserwartung erhöhen, er ist ein Lebenselixier. Kein Wunder, dass Schlafoptimierung angesagt ist. Vielen erscheint nichts schlimmer, als wenn die Smartwatch weniger als sieben Stunden Schlaf registriert hat oder der Vorrat an Melatoninpillen zur Neige geht. Acht Stunden ruhiger, tiefer Schlaf am Stück, alles andere ist gefährlich. Und somit hätten sich Forscher um Randy Nelson von der West-Virginia-Universität keinen besseren Zeitpunkt ausdenken können, um ein Review zum menschlichen Schlaf zu veröffentlichen. Sie haben sich gefragt, was wir von vorindustriellen Gesellschaften über den gesunden Schlaf lernen können. Denn klar, alle denken ja, unser moderner Lifestyle, Stress, Arbeitsdruck, machen unseren Schlaf kaputt. Die Forscher haben historische Berichte über Schlafrhythmen in früheren Zeiten gesichtet, Beobachtungen bei Jäger-und-Sammler-Gesellschaften und Studien zu Schlafgenen gesichtet. Darin sollte sich das Geheimnis für gesunden Schlaf finden lassen. Die Erkenntnisse für Schlafoptimierer: Vergesst die Acht-Stunden-Regel! Diese habe sich Mitte des 19. Jahrhunderts durchgesetzt, als sich in der Vorstellung der Menschen vom optimalen Tag eine Dreiteilung breitmachte: acht Stunden malochen, acht Stunden erholen, acht Stunden schlafen. Ein Ideal, das aber jeder medizinischen Grundlage entbehrt, wie Studien an Familien mit genetisch bedingtem Kurzschlaf und Mäusestudien belegen. Die acht Stunden wurden niemals als Optimum gemessen. Es sei vielleicht naheliegend, aber nicht wissenschaftlich belegt, dass Schlaf nur dann gesund ist, wenn man stundenlang am Stück schläft.
Betrachte man historische Dokumente und die Schlafgewohnheiten ursprünglich lebender Menschen, so seien andere Faktoren wichtiger: etwa der an den Tag-Nacht-Verlauf angepasste Schlafzeitpunkt, die Schlafroutine und -regelmäßigkeit. Ob es dann sechs oder neun Stunden sind, ist weniger relevant. Der Review räumt mit Schlafmythen auf. Dass er Sleepmaxxer von ihrer Fixierung erlöst, dürfte dann doch etwas zu viel verlangt sein. Denn mit festen Überzeugungen schläft es sich besser als mit wissenschaftlichem Zweifel.
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